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Deutsche Familiennamen nach ihrer Entstehung und Bedeutung, mit besonderer Rücksichtnahme auf Zürich und die Ostschweiz
Entstehung
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ganz vereinzelte Ausnahmen abgerechnet fast mit ab-soluter Sicherheit ins 16. Jahrhundert gesetzt werden kannund welche Friedrich Becker nicht höflich, aber ziemlichzutreffend die Pedanten-Namen heisst.

Vorzugsweise stark wurde dieser Sitte gehuldigt in derPfalz, in Holland und Sachsen, ganz besonders aber amHofe Philipps des Grossmüthigen, Landgrafen von Hessen,wesshalb noch heute die hessischen Länder aussergewöhnlichreich mit solchen latinisirten und gräcisirten Consistorialraths-und Geheimraths-Geschlechtern gesegnet sind.

Einige der bekannten derartigen Familiennamen aufdem Boden Deutschlands waren oder sind: Agricola (Bauer),Fab er und Fabricius (Schmid), Molitor und Mylius (Mül-ler), Mesomylius*) (Mittelmüller), Sartorius (Schneider),Scriba (Schreiber), Venator (Jäger), Capito (Köpflin), Osi-ander (Hosemann) u. s. w.

Auch die Schweiz ist von dieser Sucht der Gelehrten-welt nicht unberührt geblieben. Am stärksten grassirte sieam Sitze der ältesten, damals einzigen und bereits bedeu-tenden Universität auf Schweizerboden, in Basel, wo unsdie Grynaeus, Glareanus, Capito, Hedio (Heid), Oporinns(Herbst oder Herbster), Lycosthenes (Wolfhard), Oecolam-padius (Hausschein), Myconius (Geisshäusler) begegnen.Auch die Bischof wandelten sich damals in Episcopius, dieKündig in Parcus um. Doch sind letztere beiden Familienseit Langem wieder zu ihren alten deutschen Namen zurück-gekehrt und es blühen heute unter lateinischem Mäntelchenin Basel nur noch die Gemuseus (deren Stammvater, derPfarrer Augustin G. von Mülhausen seinen angeborenenNamen Gschmuss um die Mitte des 16. Jahrhunderts miteinem Anklang an die Musen in Gemusaeus umwandelte),die Bonus und Stupanus, denen die starke Einwanderung

*) Vilmar berichtet von einem Postmeister Mesomylius in Mar-burg, der ihm noch persönlich bekannt gewesen war irnd dem es pas-siren konnte, dass er in der Kirche das Gesangbuch verkehrt in denHänden hielt, sintemalen er trotz seines hochclassischen Namens nichtbloss weder Latein noch Griechisch verstand, sondern nicht einmalDeutsch zu lesen im Stande war.