156
Familiennamen häufige Verwendung von Bezeichnungen fürKleidungsstücke und Waffen als Beinamen auffallend oderunbegreiflich erscheinen, denn auch diesen Brauch hat dieheutige Welt noch keineswegs gänzlich abgelegt. Noch heutebenennen wir in freier Redeweise gerne ganze Stände undBerufsarten, wie auch das einzelne zu denselben gehörendeIndividuum, nach ihrer Amts- oder Berufstracht, Uniform,Lieblingsfarbe u. s. w. oder nach einzelnen Theilen ihrer Klei-dung, und heissen beispielsweise Weltgeistliche,,Schwarzröcke“,Ordensbrüder „Kutten“, englische Militärs „Rothröcke“,französische Soldaten „Rothhosen“, bayrische Infanteristen„Raupenhelme“, Kutscher und Pferdeknechte „Stalljacken“.In der schweizerischen Zeitungs- und Kalenderlitteratur derVierziger- und Fünfzigerjahre war die nicht schmeichelhaftgemeinte Bezeichnung der „Grünen“ für die grün uniformirtenOffiziere des eidgenössischen Generalstabes lange Zeit sehrbeliebt und volksthümlich.
Als Beispiele für die Familiennamen dieser Klasse mögenfolgende meist Zürich angehörige Namen dienen: Bundschuh(schon 1357), Guldenschuh (Basel), Eisenhut, Gugel (= kapu-zenartige Kopfbedeckung, auch Eisenhelm von gleicher Form),Gugelmann, Helm (kann aber ebensowohl einstämmige Kür-zung aus den altdeutschen Personennamen Helmpert, Helm-hart, Helmold u. s f. sein), Mantel, Sjness, Stiefel, Panzer,H'ösli, Siebenrock, Rothbrust (Zeh. Tagblatt vom 6. Juli1889), Wackenhut (wackelnder Hut), Schaubhut (Strohhut).
ln alten schweizerischen Urkunden sind ferner auf-bewahrt folgende Namen: Rothermel (Hartmann R. im Reis-rodel von 1512, ein freier Knecht der Stadt Zürich, ebenda),lsenschlegel, Wildeisen, Raufeisen, Krösseisen, richtigeLandsknechtnamen, Grisband (graues Band, Nesa Gr., imSteuerbuch von 1357), mit der Schlappen (klappen- oderbeutelförmig herunterhängender Theil der Kopfbedeckung,Chuni m. d. Schl., Steuerbuch 1357), Scliivertli (Heini Swertli,ebenda), Gürteli (Rudi G., ebenda), Goldsknopf (ChuniGoltzknopf, Steuerbuch 1400), Linlachen (Herr Peter L.,Lütpriester zu Helfenschwyl, Glückshafenrodel 1504), Leicht-rock oder Lichtrock (Bartli Lichtrock von Zürich, ebenda).