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Diese Wunder wollen wir übergehen, ebenso wie die vie-len andern Begebenheiten, welche seine Biographen unserzählen; nur eins möchten wir nicht unerörtert lassen 1 ,nämlich den inneren Zusammenhang seiner Visionen undSchriften. Die Visionen sind nach der Lehre unsers Diony-sius zweifach nach Art und Zweck. Die einen, rein persön-liche, dienen der Seele, die sie empfängt, zum Trost und zurErmuthigung und sind darum besser geheimzuhalten. Dieandern bezwecken das öffentliche Wohl oder den Nutzen desNächsten; eine hiermit begünstigte Seele ist nur ein Werk-zeug, dessen Gott sich bedient, um seinen hl. Willen kund-zuthun ; es hiesse also die Absichten Gottes vereiteln, wollteman derartige Visionen nicht zur Kenntniss der betreffendenPersonen bringen. Es sind freie und unverdiente Gnaden,welche Gott ohne Rücksicht auf Verdienst, wem er will, mit-theilt, wie man dies an dem Beispiel Balaams erkennen kann,welcher, obgleich Magier und Sünder, ausersehen wurde,das Volk Gottes zu segnen und ihm seine Zukunft zuenthüllen 2 .
Es ist nun zweifellos, dass viele unter den zahlreichenOffenbarungen des Dionysius das Gemeinwohl zum Zweckhatten. Gott scheint ihm vorzugsweise seinen Schmerz undseinen Zorn anvertrauen zu wollen ; er weiht ihn in seinePläne ein, offenbart ihm die Corruption des christlichenVolkes in den verschiedenen Ständen, zeigt ihm in derFerne den Fall von Constantinopel, die Erfolge der Türken,die Verwüstung des Herzogthums Geldern etc. Er lässt ihnschauen die Verwerfung Johannes von Heinsberg, des 52 stenBischofs von Lüttich, das allen weltlichgesinnten Prälatenbevorstehende Loos, und an dem langen Fegfeuer des Johan-nes von Löwen wurde ihm offenbar, was alle Inhaber zahl-reicher kirchlichen Benefizien zu erwarten haben. Und einejede dieser Offenbarungen gab ihm Anlass, mehr oder weni-
i Da unser Werkchen hauptsächlich eine litterarische Studie seinsoll, so enthält es aus dem Leben des Karthäusers nur, was zum Ver-ständniss seiner Schriften dienen kann. Für das Weitere verweisen wirden Leser auf seine Biographen.
- Brief an die Testamentsvollstrecker des Johannes von Löwen. Oper,minor., t. II, P 36o. Cf. Petr. Dorland., Chron. Carius., lib. VII, cap. xxii,xxiii; Cassani, pag. 44 .