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Dionysius der Karthaeuser : 1402 - 1471 ; sein Leben, sein Wirken, eine Neuausgabe seiner Werke ; aus dem Französischen mit einigen Ergänzungen des Verfassers in's Deutsche übersetzt von einem Priester des Karthaeuser-Ordens
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Namen Van Leeuven bei Seite und nannte sich nach demeinfachen, kleinen Dorfe, wo er das Licht der Welt erblickte,Ryckel.

Drei Worte fassen von nunan sein ferneres Leben zu-sammen : Beten, lesen, schreiben.

Bevor wir auf das Einzelne eingehen, möchten wir demLeser ein bisher nicht gelöstes Problem vorlegen. Ein Kar-thäuser, der seiner Regel gemäss lebt, widmet täglich unge-fähr acht Stunden den Uebungen der Frömmigkeit, als Bre-viergebet, hl. Messe, Betrachtung etc. Weit entfernt, diese sokostbare Zeit auch nur um eine Minute zu verkürzen, fügteDionysius im Gegentheil noch hinzu, und es ist anzunehmen,dass er elf bis zwölf Stunden täglich Gott weihte. Er las inseiner Zelle, wie wir weiter sehen werden, eine so beträcht-liche Anzahl Werke, welche jeden andern, noch so fleissigenund sonst weniger beschäftigten Leser völlig in Anspruchnehmen würden. Eine Zeit lang versah er das mühevolleAmt eines Procurators des Klosters, wurde mit einer Missionnach Deutschland beauftragt und mit der Leitung eines imEntstehen begriffenen Hauses betraut; viele Jahre stand erin lebhaftem Briefwechsel mit der Aussenwelt, — wahrlichBeschäftigungen genug, um ein gewöhnliches Leben auszu-füllen. Und doch fand er Zeit, 25 Foliobände über Gegen-stände zu schreiben, bei denen eine Improvisation unmöglichist. Die Zeit seiner Mahlzeiten war allerdings bemessen, undsein Schlaf beschränkte sich auf drei Stunden 1 ; trotzdembleibt es ein Räthsel für uns, wie er dies alles bewältigenkonnte, und mit Recht ruft daher sein erster Biograph aus :« Neminem audivi qui viri hujus laborem sine stupore vide-rit, qui non senserit mecum, absque ingenti miraculo fierinon potuisse, ut unus vir tot scripserit libros 2 . »

1 « Ich gestehe », gab er Allen zur Antwort, welche ihm seine zugrosse Abtödtung vorwarfen, « dass ich Niemanden rathen würde, das-selbe zu thun ; dass ich sogar Bedenken tragen würde, es Andern zuerlauben ; aber ich habe einen eisernen Kopf und einen Magen vonErz. » Cassani, pag. 16.

2 Loer, cap. I, 4. Trithemius sagt : « Contemplationi et orationi cumtanto fervore instabat, ut eum nihil scribere unquam putares; rursum inscribendo et legendo tam sedulus erat, ut nec orare nec contemplarieum posse unquam aestimares. » De Scriptor. Eccles.