Druckschrift 
Johann Heinrich Lamberts ... Pyrometrie oder vom Maaße des Feuers und der Wärme
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

2.14

Das Zurückprallen der Warme.

§» 386 »

Bey dieser Vorstellungsart kann man sich nun durch einen Körper einenach Belieben gezogene Ebene gedenken, und es wird folgen, daß wenn der Kör«per in allen Theilen gleich warm ist, in jedem Zeittheilchen, gleich viele Feuer«theilcheu durch diese Ebene hin und her gehen. Man gedenke sich nun ferner, dieWärme fey auf beyden Seiten der Ebene ungleich, oder sie werde auf der Seiten,mit einemmale geringer gemacht; so werden zwar in dem ersten darauf folgendenZeittheilchen ü i- noch eben so viele Feuertheilen cl ^ aus 8 gegen «V durch dieEbene gehen. Hingegen gehen nun aus ^ nach 6 nicht mehr so viele, sondernnur 6, weil ihre Dichtigkeit in ^ von 5- aufherunter gesetzt worden. DieSeite 8 verliert also wirklich 6 ^ cl y Feuertheilchen, die nicht mehr wieder er«setzt werden. Seht man, die Ebene sey so gezogen, daß sie den Körper in zweengleiche Theite theilte, so wird auch die Menge der Feuertheilchen wie / zu seyn.Da demnach in diesem Fall cl v: cl ist, st> folgt, daß ä)? ä >, dem

Ueberfchusse / 1 proportional fey. Ist hingegen ^ größer, so wird 6 dieFeuertheilchen ci ^ ci eben so wie vorhin verlieren, ohne daß sie wieder ersetztwerden. Da aber diese in sich durch einen großem Raum ausbreiten, so wirdihre Dichtigkeit dadurch vermindert, und dieses zieht für die folgenden Zeittheil« *chen eine andere Verrheilung der Wärme nach sich. Diese Betrachtung giebt nunan, daß die Feuertheilchen, um welche die Wärme von 6 wirklich vermindertwird , nicht die einigen sind, die aus 8 in ^ übergehen, sondern nur die, so mehrherüber gehen als wieder zurückkommen. Auf diese Art leuchtet mir das vonNewron zuerst gebrauchte Gesetz (§. 251.) klarer ein, als wenn Marrme esaus dem der Geschwindigkeit proportionalen Widerstande herleiten will. (S.a z z.)

§. 387 .

Man gedenke sich nun z. E. eine Thermometerkugel, die halb in Wassergesenkt wird, und halb in der Luft sey. Wasser und Luft Haben gleiche Wärme,die Kugel aber fty wärmer, und zwar in allen Theilen gleich warm, so daß gegenalle Tbeile ihrer innern Oberfläche gleich viele Feuertheilchen anfahren. Da nundas Thermometer im Wasser 8 bis ivmal geschwinder erkältet als in der Lust, somüssen von den gegen die der Luft ausgeseßte halbe Oberfläche anfahrenden Feuer-theilchen 8 bis iomal weniger durchgehen, als von denen, so gegen die vom Was-ser benetzte halbe Oberfläche anfahren. Nun fuhren gleich viele an. Demnachmüssen von der ersten Fläche mehrere wieder zurückprallm als von der andern.Hierinn Hai die Wärme mit dem Lichte einige Aehnlichkeit. Es fällt z. E. von derinnern Oberfläche eines Glases mehr Licht zurück, wenn man das Glas in der LuftHält, als wenn diese Oberfläche auf dem Wasser liegt. Man hat, um dieses zuerklären, die anziehende Kräfte zu Hülfe genommen, und mittelst derselben wirdman das Zurückprallen der Wärme wenigstens eben so gut erklären können. Dieses