Druckschrift 
Johann Heinrich Lamberts ... Pyrometrie oder vom Maaße des Feuers und der Wärme
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

5>r Einige benamte Thermometer von Weingeist.

ist aber nicht bewiesen, daß der 6zste Grad würklich der Frierpunrt scy. Ichfinde im.Zten Bande der daß Celsius seine daftlbft vorkoin-

mende sehr umständliche Wetterbeobachtungen nach Jui'itts Vorschrift angesteilr,nnd folglich das Thermometer in eidem nicht geheizten Zimmer gehabt hat. Dakonnte es nun fteylich den 6§sten Grad anzeigen, wenn es in freyer Luft "schon starkfriert. Aber deswegen ist der özste Grad nicht der Grad des frierenden Was-sers, weil die Zimmer nicht so geschwinde als die äußere Lust erkälten. , Fernerfindet Celsius im Jahr 17 z i. die größte Sommerhitze bey seinem aasten Grad,nnd sagt, die gewöhnliche Sommerwärme sch der zoste Grab. Sollte nun Cel-sius 65 Grad haben, wo Martine 784 seht, so würde des Celsius zoster Gradauf Marrinens 434 fallen, und folglich mit der Kellerkemseratur ziemlich über-eintreffen, und dieses würde selbst in Schwede» keine Sommerwarme heißen kön-nen. Auch sehe ich aus der Verwandlung der l^uv^ö/efchen Graden in Schwe-dische, die LVargenritt im i9ten Bande der schwedischen Abhandlungen vorge-nommen hat, daß des Celsius Thermometer von dem Marrinschen wenig odernichts unterschieden seyn kann.

§. l59»

Es wird also richtiger seyn, wenn wir sehen, die Aufschriften desä/cschen Thermometers zeigen den Zustand der äußern Wärme und Kälte an, wenndas Thermometer nicht vor dem Fenster, sondern in einem »»geheizte» Zimmerbeobachtet wird. Dieses ist der Fall der meisten ehemaligen Wetterbeobachtun-gen. Man kann hiedurch erklären, woher es komme, daß man 1731, 17^2.zu Neapel das Llb^räeesche Thermometer teym züsten Grad gefunden, als esauf den Straßen fror. Man darf sich nur gedenken, baß das Thermometer imZimmer hieng, und baß der Frost zu Neapel nicht so lange dauert, daß die Zim-mer auch nur bis zum össten, geschweige dann bis zum 784 Grad erkälten können.

. Haies.

§. 160.

Haies hat sich, wie er in seiner Srarik der Gewächse erzählt, ein sehrwissenschaftliches Garcmchennoineter, nnd zwar im Jahr 1724, zu einer Zeitverfertigt, wo wissenschaftliche Thermometer noch sehr selten waren. Er wollteein Instrument haben, welches die Grade der Wärme so weit anzeigte, als siebey der Theorie vom Wac!)sthum der Pflanzen erforderlich seyn kann. Er wähltehiezu den Grad des gerinnenden Wachses. Auf der andern Seite sähe er dieKälte des frierenden Wassers als Len Grad an, bey welchem das WachSchum derPflanzen aufhört. Diese zween Puncte bemerkte er auf seinem Thermometer und