90
zum Gaumen, noch zur Zunge ging, sondern sich nach demHinterhaupt zurückschlug, ist um so unwahrscheinlicher, alsman nicht sieht, was den Gaumen sonst mit Nerven verseheiisollte, Columbus auch schwerlich einer so feinen Untersuchunggewachsen war. Dasselbe galt vielleicht von Werner Rol-fink (Diss. anat. Norib. 1656- 4* p. 7330* der in der Leiche
eines Schneiders dieselbe — nie von späteren Anatomen beob-achtete — Abweichung gefunden haben will. Wie sehr Rolfinkauch auf jenen Nerven hielt, sieht man daraus, dafs er demSchnabel der Vögel den Geschmack zuschreibt, weil zu ihmgrofse Zweige vom fünften Paar gehen, während die Zungekeinen von ihm erhält, welches letztere allerdings richtig ist.
Bonn in Amsterdam besafs nach der Angabe von Soem-merring (in Haller’s Grundrifs der Physiologie S. 343*) dieZunge eines Menschen, der nicht recht die Sachen durch denGeschmack unterscheiden konnte, woran die Wärzchen fehltenund statt ihrer Grübchen vorhanden waren. Schade, dafs dieNerven nicht daran untersucht sind.
Dafs der Geschmack und die Bewegung einzeln verlorengehen können, wovon Scarpa (Tabulae nervorum cardiacorump* 160 zwei Beispiele erzählt, und Treviranus (Biologie VI.p. 2340 e i n P flar aus Parry anführt, beweiset nichts für den einenoder den andern Nerven, da ja bei dem Leiden eines und des-selben Nerven bald Empfindung, bald'Bewegung, bald beidesverloren geht, indem er sowohl der Empfindung als der Bewe-gung zugleich vorstehen kann. Mehr würde der ebendaselbstaus Parry angezogene Fall beweisen, wo nach einem Druckauf den Lingualis einer Seite, die Hälfte der Zunge den Ge-schmack und nicht die Bewegung verlor, wenn erwiesen wäre(was nicht ist), dafs der Nerve ganz getödtet wäre. Ebendaher möchte ich auf den Fall kein Gewicht legen, den Heuer-mann (Physiologie. 2. B. Kopenh. 1752* 8* S. 293*) als vonAlbinus beobachtet (wahrscheinlich aus dessen Vorlesungen)erzählt. Bei dem Ausschneiden einer Zungendrüse war nämlichein Zweig vom Hypoglossus durchschnitten, und der Geschmack