Druckschrift 
2,1 (1823)
Entstehung
Seite
76
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uns vorschweben kann. Die Blinden geben auchschwerlich darüber einen genügenden Aufschlufs.

Anm. 1. Ich kenne durch mehrere Augenzeugen einen Fall,wo ein Kind, das ohne Augen geboren war, und nie Zeichendes Gehörs von sich gegeben hatte, zehn bis zwölf Jahre altward und in einem gänzlich viehischen Zustande blieb.

Damit ist der Fall gar nicht zu vergleichen, welchen Jac.Wardrop (History of James Mitchell, a boy born blind anddeaf. Lond. 1813- 4-) beschrieben hat, denn der Knabe, vondem die Rede ist, bekam zwar bald nach der Geburt auf beidenAugen den grauen Staar, konnte aber doch etwas sehen, undhatte grofsen Gefallen am Sonnenlicht, das durch eine engeOeffnung des Raums trat, worin er sich oft und lange bescliäl-tigte, Körper dagegen zu halten; eben so hatte er Gefallen angewissen Tönen, war also weder blind noch taub, wie er aufdem Titel der Schrift genannt wird, obgleich beide Sinne beiihm nur.von geringer Kraft waren, wie die Schärfe seiner übri-gen Sinne und seines Gefühls zeigten. Er hatte auch einengewissen Grad der Entwickelung, Gedächtnifs und Beurtheilung,und es ist ganz unmöglich, zu bestimmen, wie grofs der Einflufswar, den die Sinne des Gehörs und Gesichts auf seine Ausbil-dung hatten.

Kant (Anthropologie. Königsb. 1800. 8- S. 47.) nennt dieSinne der Betastung, des Gesichts und des Gehörs mehr objectivals subjectiv, weil sie mehr zur Erkenntnifs der äufsern Gegen-stände beitragen, als sie das Bewufstseyn des afficirten Organsrege machen; die Sinne des Geschmacks und Geruchs hingegenmehr subjectiv, weil die Vorstellung durch dieselben mehr diedes Genusses als der Erkenntnifs ist. Wenn man dies auchzugiebt, so bleibt doch der von mir oben angegebene Unterschiedgültig, dafs uns nämlich eigene Tastungs-Vorstellungen fehlen.

Anm. 2- Dafs die Sinne nicht täuschen, zeigt Kant(Anthropologie S. 310 sehr gut; sie geben uns, was sie gebenkönnen, und wir täuschen uns nur in unserem Unheil darüber.