und nun mit dem Finger der einen Hand einender anderen berühren, so wissen wir häufig nicht,welchen wir berührt haben, oder wir kommen erstdurch Nachdenken' dazu. Es ist ja selbst mit denSinnen der Fall, dafs einer allein nicht leicht aus-hilft, wir dürfen uns also nicht wundern, wenn dasallgemeine Gefühl nicht ausreicht. Es leistet wases kann, es pflanzt die Empfindung fort, das Beur-theilen des Empfundenen steht ihm nicht zu.
Anm. 1. Wir finden bei anscheinend bewufstlos liegendenMenschen, dafs sie nach dem Orte, wo sie den Schmerz fühlen,die Hand ausstrecken; kranke Thiere wenden ihr Gesicht nachdem schmerzhaften^ Theil: allein erstlich täuscht das Alles sehroft, und zweitens ist es ja eigentlich nur der gewohnte (mecha-nische) Versuch, den schmerzhaften Ort und das Leiden zuerkennen. Hieher gehört gewissermafsen Gall’s Mimik.
Anm. 2 - Eine sehr gewöhnliche und leicht begreiflicheTäuschung ist die, dafs Menschen, denen ein Theil des Kör-pers, z. B. ein Fufs, ein Finger u. s. w. amputirt oder sonstverloren gegangen ist, in der ersten Zeit nach dem Verlust,noch auf jenen Theil die Gefühle beziehen, welche im Stumpfoder in den aufsersten Nervenenden, welche ihnen dort gebliebensind, entstehen.
§• 271 .
Die Schnelligkeit der Fortpflanzung der Ge-fühle, und der darauf folgenden Zurückwirkung desGehirns ist bewundernswürdig grofs: kaum wirdz. B. die Hand feindlich berührt, so wird entwederder Gegenstand abgewehrt, oder die Hand zurück-gezogen. Daher auch die grofse Gefahr der Stumpf-heit oder Unempfindlichkeit gegen den Schmerz,