Anhang.
88 l
Nr. 8 z» S. 261.
Die Schlacht von Fontenah, gewonnen von Bioritz von Sachsen amN. Mai 1745 über die verbündeten Oesterreicher, Holländer und Engländerunter dem Herzog von Cumberland, ist taktisch überaus merkwürdig undbeschäftigte die zeitgenössische Militärliteratnr in hohem Maße. Das ganzellnteruehmen ist für die Kriegführung des 18. Jahrhunderts höchst charakteristisch.Moritz von Sachsen begann den Feldzug damit, daß er Mons und Tournah,auch Lille, gleichzeitig bedrohte. Als sich der Feind hatte täuschen lassen, erschiender Französische Feldherr überraschend vor Tournah und begann die Belagerung.Die Verbündeten rückten nun langsam heran, um die Festung zu entsetzen; derMarschall wählte ein Schlachtfeld dicht bei Tournah, ließ es mit Redouten ver-schanzen und bat den König, zu der bevorstehenden Schlacht, die unvermeidlich war,zu erscheinen. Am 10. Mai befand sich Ludwig XV. inmitten seiner inSchlachtordnung gestellten Truppen, als die Spitzen des Feindes erschienen.Das ganze Heer erwartete die Schlacht, aber die Verbündeten griffen erstam 11. an. Nach einer dreistündigen Kanonade gelang es einem Theil derEnglischen Infanterie, die Mitte der Französischen Stellung zwischen demDorf Fontenah und dem Walde von Barry zu durchbrechen, sie drangnun in dieser Lücke vor, die seitlich durch das verschanzte Dorf und mehrereRedouten begrenzt wurde. Infolge des starken Feuers, das die EnglischeInfanterie auf diesem schmalen Raume von beiden Seiten her bekam, dehntesie sich in die Tiefe und bildete schließlich einen ungeheuren Klumpen,der sich in der Mitte der Französischen Aufstellung und durch sie hin-durch bis in deren Rücken festgckeilt hatte. Das Französische Heer warförmlich in zwei Theile getheilt. Heftiges Flanken- und Rückenfeuer sowiedas Ansetzen der letzten Französischen Reserven führten aber bald in der un-förmlichen und hülflosen Masse ein furchtbares Gemetzel herbei, dem sieschließlich erlag. Die Sieger verfolgten nicht unmittelbar, sondern erst in derNacht mit einigen tausend Mann. Selbst Französische Berichte räumen ein, daßim Höhepunkte der Schlacht der Ausgang sehr zweifelhaft schien, und dies warder Grund, warum sich die Militärlitteratur und die öffentliche Meinung vielmit der angeblichen Kolonne beschäftigten, die in so schwierigen Verhältnissenbeinahe zum Siege geführt hätte. — Rsls-tion äs In sampaZus sn Lrubuntst sn b1s,näi's cks l'an 1745. X bm IIs-^s 1748. (Amtliche oder doch halb-amtliche Französische Darstellung.)
Nr. 6 zn S. 265.
Höchst anschaulich ist die Charakteristik, die Clausewitz (hinterlassene Werkeüber Krieg und Kriegführung, X, 52) von der Schlacht im 18. Jahrhundertgiebt. „Man kannte bei großen Blassen keinen anderen Gebrauch der Truppen,als daß man sic in einer Schlachtordnung aufstellte, die das Heer zu einemGanzen machte, und mit diesem Ganzen nun gegen das feindliche Ganze an-rannte. Dieses Ganze bestand im Grunde nur aus drei Gliedern, nämlich denbeiden Flügeln, die ans Kavallerie bestanden, und dem großen Centrum, ausder Infanterie bestehend, Alles in zwei Treffen. Selbst diese drei Theilewaren an einander gebunden und sahen sich ohne einander als hülflos an.Dieses Ganze war also ein sehr unbewegliches, schwerfälliges Ding. VieleStunden waren immer nöthig, cs zu Stande zu bringen, und dann blieb nichtsübrig, als cs an den Feind vorznschiebcn und nun dem Dinge seinen Lauf zu