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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
Entstehung
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329
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II Marsche, Flußübergänge.

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r-risoiis/° *) Die ganze, in den Verhältnissen wohlbegründete Sorge desFeldherrn angesichts der Nothwendigkeit, das Heer zu bewegen, spricht sichdarin aus.

6. Märsche, Flußübergänge.

Die Bewegung an sich hat auf die Heere jeder Zeit in größerem odergeringerem Maß schwächend gewirkt. Zur Zeit Friedrichs des Großen, dadie Feldzüge erfahrungsgemäß lange dauerten und das Werbeheer schwer zuergänzen war, auch stete Fahnenflucht drohte, muß die Scheu vor Marschver-lusten natürlich besonders ausgeprägt gewesen sein, und sie erklärt es, daßman die Ansprüche an die Beweglichkeit der Heere im Allgemeinen in engenGrenzen hielt.

Von den Kriegsschriftstellern der Zeit wird vor der auflösenden Wirkungzu rascher Heerbewegungen eindringlich und wiederholt gewarnt. Im weiterenVerfolg dieses Gedankenganges kommt z. B. selbst ein so starker Geist wie derMarschall von Sachsen zu dem Schluß, es sei am besten, mit dem Beginnder eigentlichen Kriegshandlung möglichst lange zu zögern, um im Herbst mitausgeruhten und geschonten Truppen einen entscheidenden Schlag zu wagen;namentlich die Kavallerie komme durch den Bewegungskrieg zu sehr herunter.^*)Nach solchen Grundsätzen war gegen Ende des Spanischen Krieges, im PolnischenThronfolgekriege und in den letzten Feldzügen Oesterreichs gegen die Türkenhäufig gehandelt worden. Stets stand die Rücksicht auf die Erhaltung destheueren Werbeheeres im Vordergrund und beschränkte dessen Inanspruchnahme.Andere Einflüsse wirkten in demselben Sinn.

Die bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen unabweisbareNothwendigkeit, in der Nähe des Gegners stets schlacktbereit zu bleiben,zwang zur Annahme ganz bestimmter, ziemlich starrer Marsch formen, die ihrer-seits wieder die Bewegung erschwerten und verzögerten. Es galt in allenHeeren als die Regel, streng aus der Schlachtordnung abzumarschiren, um jeder-zeit in der Lage zu sein, sie wieder herzustellen. Gelang dies auch nicht immer,so wurde es doch gefordert und erstrebt und lähmte ein rasches Marschiren.Auch der Mangel an ausreichender Marschsicherung, beim Preußischen Heervorwiegend begründet durch den einer angemessenen Zahl leichter Truppen,zwang zu auffallender Behutsamkeit während der Fortbewegungen, endlichnöthigte die Rücksicht auf die drohende Fahnenflucht zu ganz besonderen Vor-kehrungen auf Märschen. Diese waren also in mancher Beziehung geradefür das Preußische Heer sehr schwierig. In den beiden SchlesischenKriegen hatte sich gezeigt, daß die Oesterreicher von der Anwesenheitund den Verhältnissen der Preußischen Heere jederzeit mindestens ebensogut unterrichtet gewesen waren als Friedrich von den ihren; bei Chotnsitz

n 6. R., Nrn'vIiöS"*) RLvsi-iss II, 10.

Märsche