4. Schlußwort.
der mit der Bereitstellung eines innerlich überlegenen Heeres dessen Ver-wendnngsweise in langen Kriegen und unter den schwierigsten Umständenaufzufindcn und den Bedingungen seiner Zeit anzupassen verstand, wie esFriedrich in der Zeit vvn 1745 bis 1750 gcthan hat, der Feldherr, derdie eigenen natürlichen kriegerischen Triebe den Bedingungen der Zeit nnter-znordncn verinvchte, vhnc sie zu verleugnen und zu vergessen, der Feld-herr, dessen Beanlagung sich trvtz schwierigster äußerer Bedingungen zu sieg-hafter, die Geschicke der Welt bestimmender Bethätigung dnrchrang.
4. Schlußwort.
Uebcrblickt man den Werdegang des Königs ans militärischem Gebietwährend der zehn Friedcnsjahre, die dem Weisen von Sanssouci vor demAnsbruch des Weltkrieges um Preußens Bestand vergönnt gewesen sind, sotritt ein mächtiges Wachsen in die Erscheinung, aber auch zugleich einHineinfinden in die Bedingungen der Zeit, ein Erkennen des Möglichen,ein Finden des Richtigen, erzielt durch völlig vornrtheilslvse Gedankenarbeit,gefeilt, gerundet und schließlich festgelegt in den Niederschriften, die unserhalten sind. Die Anschauungen, die den König im Jahre 1756 erfüllen,stehen im Begriff, in die Thal umgesetzt zu werden, daher ist ihre kurzeZusammenfassung von höchster Bedeutung für die Beurtheilnng der Wege, dieder Königliche Feldherr im Beginne des größten und gewaltigsten Krieges,den ek" geführt hat, einschlägt.
In taktischer Beziehung vertieft und verschärft Friedrich den Grund-gedanken: Angriff um jeden Preis. Nach seinen Aeußernngen steht zu er-warten, daß er in den nächsten Schlachten seine Angriffstruppen blitzschnell,ihnen selbst halb unbewußt, gegen die fencrsprühenden Linien des Gegnerswerfen wird. Er wird versuchen, vb und wie weit ein solcher Angriff aufdie Spitze getrieben werden kann. Er wird ihn vielleicht zuweilen über-treiben, er verzichtet vielfach auf das Feuer der Infanterie, er legt auf dievorbereitende Thätigkeit der Artillerie nur geringes Gewicht, er sucht dieEntscheidung durch die Stoßkraft der Infanterie und Kavallerie allein zu er-zielen. Beherrscht und durchdrungen von dem Wunsche, im Kriege möglichstrasch und vollständig zu wirken, strebt er danach, den Gegner nicht nur zuschlagen, sondern zu vernichten, und ans dieses eine Ziel schneidet er seinegestimmte Taktik zu.
Aber mit linear ansgcbildeten Truppen war cs nicht leicht, vollständigeEntscheidungen zu erzielen, nicht leicht, Siege anszunutzen. Der Königahnt, er sagt sich ganz genau, daß seine Gegner sich ihm schwerlich inoffener Feldschlacht stellen dürften, er macht sich darauf gefaßt, daß sie alleHülfsmittel des Geländes und ihrer überlegenen Zahl vertheidigcnd verwcrthen