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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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380
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Nr. 6 zu S. 253.

Der wiederholte Vergleich des Preußischen Heeres mit denen des altenNom durch Friedrich den Großen war durch die Geistesrichtung der Zeit ver-anlaßt und hervorgerufcn. Alle Kriegsdenkcr um die Wende des 17. und18. Jahrhunderts, und auch noch die der Mitte des 18. beschäftigen sich ein-gehend mit der Taktik der Alten und sind darin einig, daß die Kriegskunst seitden Römern nicht mehr vorgeschritten sei, daß die modernen Heere, wasihre Brauchbarkeit für den Krieg betrifft, in keinen Vergleich mit denenRoms zu stellen seien. Die dauernden Erfolge der Römischen Heere unterden verschiedensten und oft ungünstigsten Umständen schrieb mau ihrer Taktikzu, die seither in Vergessenheit gerathen sei. Puyssgur kommt beinahe aufjeder Seite auf diesen Gegenstand zurück; Fcuguisres sagt, daß eine tüchtigeSchulung des Heeres den Anfangserfolg und damit den Sieg überhaupt sicher-stelle. Moritz von Sachsen sucht diese Schulung, diese Taktik in dem Gleich-schritt und der Ordnung der Alten und beklagt, daß diese Schulung verlorengegangen sei. Friedrich bekundet einen sehr scharfen Blick, wenn er nach Be-endigung seiner ersten beiden Kriege seine fünf Siege vor Allem auf Rechnungder überlegenen Schulung seines Heeres, nicht der eigenen Geschicklichkeit inder Führung, setzt. In diesem Sinne war er wohl berechtigt, das stets kriegs-bereite und wohlgeübte Preußische Heer mit denen der Römer zu vergleichen.Die Kriegsbereitschaft lag zur Zeit des Königs vor Allem in der taktischen Güteder Truppen, wie sie später in der rascheren Aufbietung und Versammlungder Heere zu sofortigem Kampf mit gelegen hat. Die Formen der Kriegs-bereitschaft wechseln eben mit dem Wechsel der äußeren Bedingungen; diefür seine Zeit zutreffende Form hatte der König meisterhaft erkannt.

Nr. 7 z» S. 257.

Die Auffassung des Königs, daß seine Infanterie ihre Erfolge nicht vorAllem ihrer Fertigkeit im Schießen sondern ihrem unaufhaltsamen Drang nachvorwärts verdanke, wurde schon zu seiner Zeit hier und da getheilt. In der Ausgabederkksvsriss", Haag 1766, begleitet der Herausgeber die Ausführungen des ver-storbenen Marschalls mit folgender merkwürdiger Anmerkung:b,a vitssss avselagaslls Iss Ill'assisns sbarZsal Isars tasils ssl avanlaAsass, sa ss gu'sllsosoaps 1s soläat, st 1'siapssbs a 1a rsüsxioa, lorsga'il lnarsbs ä 1'suasiai.O'ssl uns srrsur cks sroirs gas Iss sing vistolrss gu'a rsia^ortsss ostcksuatlou xeaäarck In äsraivrs Ausrrs, soat dass ä Isar tirsris; paisga'oa arsiaargas gas, äans In plapart äs sss aotioas, 11 z? a sa ^las äs ikrussisaslass pur 1s tsu äs Isurs suasmls, gas äs ssax-si xar Is lsa äss ikrusslsas."(I^ss Rsvsrlss oa Nemoirss sur 1'art äs 1a Aasrrs äs idlaurlos 6owts äs8axs, I, 85. .V la Ila^s 1756). Der Verfasser konnte unterrichtet sein, denn cswarLl. äs Ijoausvills, oapltaivs luAsuisar äs oampaKus äs 8a LlajsstsIs I1»1 äs l'rasss", also Preußischer Offizier und vom Könige besonders geschätzt.

Wirklich zeigen die Verlustziffern, der beiden Schlesischen Kriege, daß diePreußen ausnahmslos mehr Todte und Verwundete auf dem Platz ließen alsihre Gegner, bei denen Gefangene nnd Versprengte überwogen. Trotz ihrerSchießfertigkeit trafen also die Preußen weniger als ihre Gegner, und zwar,weil sie entweder nach sehr kurzer Feuervorbereitung oder sogar ganz ohnezu schießen au die Gegner herandraugen, um sie körperlich anzurennen. Damithaben die Preußischen Truppen jener Zeit die schönsten, wenn auch thener er-kauften Erfolge errungen.