3. Die Entwickelung des Königs auf strategischem Gebiet.
368
wie scilic Zeitgenossen, den Sieg nicht nur durch die Wirkung seines scharfenSchwertes, sondern auch durch dessen geschickte, unverdrossene Handhabungzu erreichen suchen. Wie schwierig diese Handhabung unter den Verhältnissendes 18. Jahrhunderts gewesen sein muß, das hat ein Blick auf die Hinder-nisse gelehrt, die der Abmessung der Kräfte in Zeit und Raum sowie in denkriegerischen Gebräuchen der Zeit entgegenstandeu.ic PcriönUch. Es ist ein Beweis scharfen und kühlen lkrtheils, daß der König, derdie taktische Leistungsfähigkeit seines Heeres auch in den schwierigsten Ver-hältnissen erfahren und erkannt hatte und auf sie in Zukunft baut, sichdennoch sagt, daß unter den vorliegenden Verhältnissen das Ausstichen derSchlacht und das Mittel dazu, das Operiren, mit größtem Geschick gehand-habt werden müßte. Auch er sieht daher wie seine Zeitgenossen in derPersönlichkeit des Feldherrn ein wichtiges Mittel zum Siege, abernicht das einzige, denn er entwickelt außerdem sein Heer in einer Weise, die inEuropa unbekannt war. Daß aber die Gelegenheit, ein solches Heer zurAeußcrung seiner zerschmetternden Kraft zu bringen, schwierig zu findenund daher das Amt des Feldhcrru ungemein ernst sei, sagt er sichselbst. Er erkennt, daß die Generale einen schweren Stand gegenüberder öffentlichen Meinung hätten. . . „Die gedruckten Zeitungen snovi-kiost'Ln sie den schlechten Urtheilen des I'ustkici; Unter einigen tausendenUsi'KonLii, welche dieselbe oonstemnst-on, ist vielleicht kaum einer, derso viel verstehet, daß er das geringste Ostnellomsnt von einer ^rmöooommnuäst'tm könnte." ") Des Königs Scharfblick verlangt daher für denGeneral Selbständigkeit; seine wiederholten Weisungen an Lehwaldt athmenstets denselben Geist des Vertrauens, der einem kommandircnden Generalvolle Freiheit in der Wahl der Mittel läßt, in der Ucbcrzeugung, daß dieseher geeignet sei, hohe Leistungen zu erreichen als peinliche Vorschriftenfür jeden einzelnen Schritt nach dein Muster des Hofkricgsraths zuWien. So schreibt er an Lehwaldt, 23. Juni 1756: „Was die wirklichenKriegs - Opcw-Uions betrifft, so gebe ich Euch hierdurch und kraft dieseslUosti-iuonvost', alles zu thun und zu lassen, was Ihr bei dieser Gelegenheitfür Meinen Dienst zu thun gut finden werdet, indem Ich Mein vollkommenesVertrauen in Eure Mir bekannte llnstilotä und redliche Gesinnung gcsctzethabe. Ihr müsset Euch vorstellen, daß es Euch ohnmöglich werden wird,bei Mir um etwas anznfragen, und daß mithin Ihr alles, wie man sagt,auf Eure Hörner nehmen müsset. Es kann nicht fehlen, daß wenn der Kriegdort ansbricht, es mit solchem auch gewiß hiesiger Orten, in Schlesien undBöhmen geschehen müsse, und Ich meinerseits mit den Feinden werde vollaufzu thun haben, auch cs Euch wegen der Entfernung ohnmöglich sein wird,über alles, was zu thun ist, schreiben und anfragen zu können."
So verlangt er von seinen Generalen sehr viel mehr, als sonst
) G. P. XXtX. A.