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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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367
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I?. Heerführung im Großen.

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kommet und ihn von den so hinter ihn lieget, abschneidet, oder mich, wenn maneiner Stadt drohet, an deren Oonsorvackiou ihn zum höchsten gelegen ist. Mannehme sich aber sehr wohl in acht, wenn man dergleichen Arten von LUi-uouvroümit der machen will, und Hute sich nicht weniger, daß man sich nicht

in dasselbige inoonvonioiw bringe, noch sich dergestalt postiro, daß der Feindseines Ortes, Euch von Euren Magazinen abschneiden kan." Der letzte Ge-danke zeigt aber auch zugleich, wie schwierig es damals gewesen sein muß,die Schlacht zu erzwingen.

Bei einer solchen Kriegsweise, in der es auf fortwährende scharfeAufmerksamkeit, auf plötzliche Entschlüsse, aber auch auf große Vorsicht

und Geschicklichkeit ankam, bei der bekannten Beschaffenheit des Werbeheeres,das seinen obersten Führer Wochen- und monatelang täglich sah und ihnunausgesetzt beobachten konnte, kam auf die Persönlichkeit des Feldherrnaußerordentlich viel an. Sie sprach sich in dem Charakter der Operationenwie in der Erhaltung des Heeres bei guter Verfassung und bei guter Launeaus, sie trat an dem Tage der Schlacht oftmals geradezu entscheidend hervor.Die Führung des Feldzuges hing fast ganz vom Geschick und Glück desFeldherrn auf dem Gefechtsfelde selbst ab, sie hatte ein mehr örtliches

Gepräge, einen persönlichen Anstrich. Es war den Zeitgenossen klar, daßdasSudlimo" im Kriege, nämlich die Leitung der Operationen und der

Schlacht, und damit das Ergebniß des Krieges fast ganz allein von der

Persönlichkeit, dem Charakter des Feldherrn abhingen und den Stempel seinesWesens trugen.*) Zur Zeit Friedrichs gestatteten weder die Aufstellung einesan Zahl sehr überlegenen Heeres, noch die überlegene Güte der Truppen ohneWeiteres ein schnelles Abmessen der Kräfte, sondern die Gelegenheit dazu mußteerst nach dem Beginne des Krieges mit Geduld und Vorsicht, mit Geschick undGlück von Fall zu Fall aufgefunden werden. Mit dem kleinen, strategischund taktisch gleich empfindlichen Werbeheere ließ es sich nicht anders machen,und der Sieger von Hohenfriedeberg und Soor ist gerade deshalb ammeisten zu bewundern, weil er trotz des Wunsches, viele Schlachten zuschlagen, seine Kriegsentwürfe nicht übertrieben hat. Die Gelegenheit, dieSchlacht zu finden und, falls es nothwendig schien, sie geschickt zu vermeiden, warin den lange dauernden Kriegen der Vergangenheit somit die Aufgabe desFeldherrn, die ihn jahrelang in Anspruch nahm. Um dieser Aufgabe gerechtzu werden, mußte er bei allen wichtigen Entscheidungen stets selbst zur Stellesein. Hohenfriedeberg und Soor wären ohne die Anwesenheit Friedrichs desGroßen an Ort und Stelle, ohne die ganz eigentümliche Art und Kraft seinerblitzschnellen Entschlüsse, unmöglich gewesen, trotzdem das Preußische Heer inden beiden ersten Schlesischen Kriegen eine taktische Ueberlegenheit besaß, dieden Erfolg in der Schlacht in einem Maße sicherte, wie dies seit dem Alter-thum kaum mehr dagewesen war. Aber gleichwohl mußte Friedrich, ähnlich

*) Vergl. Anhang Nr. 16.