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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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3. Die Entwickelung deS KvnigS auf strategischem Gebiet.

mit göttlicher Hülfe den mit ganz offenbarem Unrecht wider Mich ange-fangenen Krieg bald gerenen machen zn können." Zweifellos wäre dies unterden damaligen Umständen, wo die Kriege lange dauerten, ein eingedrnngenerFeind, namentlich wie die Russen, das Land auf lange hinaus verwüstete,und eine rasche Beseitigung des einen Gegners, um schnell auf den andern los-zugehen, nicht möglich war, ein heroischer Entschluß gewesen. Es fragt sich,ob ein solches Verfahren damals überhaupt möglich gewesen wäre angesichtsder Schwierigkeit, den einen Gegner schnell zu beseitigen und rechtzeitig vonso weiter Entfernung her znrückzukehren, um den andern Gegner zu schlagen.

So ist Friedrich denn auch im Laufe der Jahre von so radikalen Ab-sichten zurückgekommen und 1756 hat er sich entschieden, zwar mit demgrößten Theile seiner Kräfte über die Oesterreicher herzufallen, Lehwaldtaber mit einem Nebenheer in Preußen zu belassen. Stets hat die Besiegungmehrerer gleichzeitig auftretender gegnerischer Heere nach einander auch in weitengeren Verhältnissen außerordentlicher Kühnheit des Feldherrn, erprobterFestigkeit der Truppen ans dem Marsche wie in der Schlacht, kurz, groß-artigsten Schwunges der gesammten Kriegführung und Kriegsmittel bedurft.Daß der König sich und seinem Heer so gewaltige Leistungen zugetraut hat, gehtaus dem hervor, was er in den „dsuornl-Uriucipin" über den Gegenstandsagt. „Die aller ckilkoilosten Urossots von (IninpnAuon seynd diejenigen, daman sich vielen starken und mächtigen Feinden zugleich oppouirou soll; Als-dann muß man seine Zuflucht zur I'oliüguo mit nehmen, und suchen, seineFeinde unter sich zu lwomlliro», oder einen und andern durch nvantuZos soman ihn zu Wege bringet, zu äetnoüirsu; Was das iVIilitLiie angehet, somuß man in solchen Fall wissen ä. propos zu verlieren, denn derjenige deralles zu gleicher Zeit ckekenäiron will, wird nichts elklonckirsn, mithin mußman alsdenn dem Feind eine Provintz saerikiairon, indessen aber mit dergantzen koiw6 denen andern zu Leibe gehen, sie zu einer LutniUs odUZirou,und seine äußerste Kräffte anwcudeu, um solche übern Haussen zu werffen, als-dann man gegen die andern ckotaolliron muß." Nicht die äußere sichtbareForm, die Besiegung eines Gegners nach dem andern (der strategische Theil-sieg), ist hier die treibende Ursache, das den Sieg Bestimmende, sondern dieKraft des Entschlusses, die kriegerische Tüchtigkeit von Feldherr undHeer, denn nicht jeder General und nicht alle Truppen hätten das vermocht.Ein solches Verfahren ist nur der äußere Ausdruck des Entschlusses, zn siegenoder mit Ehren unterzugehen. Daß der Untergang bei einem so Ungeheuern, denZeitgenossen ganz unbekannten und unverständlichen Wagniß immerhin auchmöglich sei, hat sich Friedrich mit unerbittlicher Klarheit schon 1748 selbst ge-sagt. „Diese Arth von Kriegen ruiuiron die ^rindou durch IntiAuon und durchdie Märsche welche man selbige muß thun lassen, und daferne dergleichenKriege dauern, so nehmen sie auf die letzt dennoch ein unglückliches Ende."*)

*) G. P., von 1',-oMs zu O-UNPNANSN. In der „Insbi'uetio»" von 1746 findetsich noch nichts über den Krieg gegen mehrere überlegene Gegner.