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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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3. Die Entwickelung des Königs nnf strategischem Gebiet.

bestand, einem Ringen, das Jahre dauerte und die unvorhergesehensten Wechsel-fälle in sich barg. Nächst der Unwirksamkeit der Nebermacht an Zahl beein-flußten ihn auch Volks- und staatswirthschaftliche Gründe. Ueber eine gewisseGrenze hinaus konnte das kleine Preußen sein Heer unmöglich vergrößern;daher Friedrichs Lehre, man müsse mit möglichst geringem Einsatz möglichst vielzu gewinnen suchen:Us bsau ä'un prägst äs gmsrrs sst «pns, sn rmtsusntpsn, vons mstts2 Usnuswi sn cianAsr äs psrärs tout.^*) Dieser Ge-danke war den Zeitgenossen sehr geläufig; für den an Hülfsmitteln hinterseinen mächtigen Nachbarn zurückstehenden König von Preußen mußte er er-höhte Bedeutung gewinnen. Zudem lag im Geiste der Zeit eine gewisse wissen-schaftliche, theoretische Scheu vor der Anwendung einfacher Ueberlegenheit anZahl; man schämte sich förmlich, für den Sieg grundsätzlich Bereitstellungstärkerer Kräfte zu fordern, und hielt dies für barbarisch und roh. Manverwies auf die Erfahrung aller Zeiten, daß der Erfolg im Kriege nichtbei den starken, sondern bei den guten Bataillonen sowie in der Geschicklichkeitdes Feldherrn liege, der es verstehen müsse, auch ein schwaches Heer zumSiege zu führen. Namentlich das Studium der Antike hatte diese Auffassunghervorgebracht.

In der Praxis stellte sich die Sache freilich anders. Die Feldherren ver-langten möglichst viel Truppen und klagten über die Unzulänglichkeit derihnen zur Verfügung gestellten Mittel. Dennoch war die Wirksamkeit derUeberlegenheit an Zahl nicht allgemein anerkannt. Diese Meinung hattethatsächliche Unterlagen in den Verhältnissen der Zeit. Auch strategischergaben sich keineswegs immer große Wirkungen; Turenne, Carl XII., PrinzEugen hatten fast ausnahmslos mit schwächeren Kräften das Feld behauptetund ihre Erfolge davongetragen. So treten denn auch in den Feldzugs-entwürfen Friedrichs die Stärkeverhältnisse zurück. Zwar weist er ab undzu darauf hin, daß die Ueberlegenheit an Zahl zum Angriff einlade, oderdaß eigene Schwäche Zur Vertheidigung zwingen könne, nirgends aber wirdder strategische Angriff, nirgends der Sieg auf dem Schlachtfelde unbedingtvon vorheriger Bereitstellung einer größeren Zahl abhängig gemacht, die Ueber-legenheit an Zahl konnte zuweilen entscheiden, aber an sich und in der Mehr-zahl der Fälle entschied sie nicht. So gründet der König auch den Entschlußzum Angriffs- oder Verteidigungskriege in erster Linie nicht auf diebeiderseitigen Stärkeverhältnisse, sondern fordert den Angriff, der nur dannin die Vertheidigung umzuwandeln sei, wenn man durch den Verlauf des Feld-zugs dazu gezwungen würde.

Uebrigens unterscheidet er sehr genau zwischen Feldzugsentwürfen fürden Kriegsbeginn und solchen im weiteren Verlaufe des Krieges. Er sagt,diese hingen von so vielen Umständen ab, daß sich darüber keine allgemeinen

I'. 6. li, I'i'chsts ckv campaAnss.Vcrgl. Anhang Nr, 14.