>4. Wahrnehmungen und Folgerungen allgemeinen Charakters.
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Die dreißigjährige Kriegstrübsal hatte die Völker Mitteleuropas tieferschreckt und dem Kriege gegenüber auf mehr als ein Jahrhundert hinauskopfscheu gemacht. Zur Zeit der Zerstörung Magdeburgs und der Verwüstungder Pfalz galt die spätere Anschauung noch nicht, daß der Krieg nur gegendas feindliche Heer, nicht aber gegen das feindliche Volk geführt werde.
Dies war noch im 17. Jahrhundert die Regel gewesen und prägte derKriegführung eine ausgesprochene Eigenthümlichkeit auf. Während diesesganzen Jahrhunderts mischte sich das Volk in den Krieg. Allerdings ver-änderte sich der heldenmüthige aktive Antheil der Bevölkerungen, wie er inStralsund und 1683 in Wien geschah, allmählich und verwandelte sichin einen mehr passiven Widerstand, der einem feindlichen Heere gelegentlichAbbruch zu thun und seinen Unterhalt zu erschweren suchte. Montecuccolisagt: „Io solckat mourr do moit uaturollo ou violouto; l'liluuoini, loskaisaus, los maladios io tont pdoir . . Khevenhüller betont, daßBedeckungen nöthig waren, „damit die Zufuhr vor dem Feinde oder Schnapp-hähnen sicher sei." Derartige Aussprüche, die sich bei allen Kriegsschrift-stellern finden, lassen erkennen, daß unter den eigenthümlichen Kulturverhält-nissen jener Tage mit Dingen gerechnet werden mußte, die heutzutage zuden seltensten Ausnahmen zählen. Dennoch mag dies Eingreifen der Be-völkerung in die Thätigkeit der Heere nur selten und an einzelnen Stellenstattgefundcn haben; der größte Widerstand lag auf einem anderen Gebiet. Erwarfast gänzlich passiv und bestand indem gelegentlichen Entblößen des Verhalte» dcrflachen Landes von den Bewohnern, Nutzthieren und Vorräthen, s§-Landcsbcwohncrbald ein feindliches Heer sich näherte. Zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegesund der Reunionskriege bot nur wilde Flucht vor einem anrückenden Heereden Bevölkerungen die Möglichkeit dar, ihr Leben, ihr Hab und Gut in Sicher-heit zu bringen. Nach den Aeußerungen der Generale und Kriegsschriftsteller ausder ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts muß man annehmen, daß sichdieser Brauch bis in die Zeit Friedrichs des Großen erhalten hätte, dennalle sprechen sie von der Flucht der Landleute beim Nahen feindlicher Heereund betonen, daß sie ein außerordentlich starkes Hinderniß der Kriegführungsei. Auch Friedrich erwähnt wiederholt die Schwierigkeiten, sich zu ver-pflegen, da die Bauern gewöhnlich mit Kind und Kegel davonliefen, wenn einHeer in ihre Gegend kam. In der „lustruotäou^ von 1746, unmittelbarunter dem Eindruck der Kriege, sagt er: „l^ouv los vivandiors illaut los ^rotdK'or surtout on puls ouuouds, los ouvovor ä la pioovöoareo los loura^onrs, daus tous los paz's oü los pavsaus dosortontlours maisous, oav dans do jmroillos oooasious los üaldtans uokdurnlssont, riou au oaug». . G In den ,,6onora1-I^rinoipia^ heißt es:* **)
*> Diese hatte auch Friedrich der Große bereits kenne» gelernt, mährend derWinterquartiere 1740/41, wo sich die Bevölkerung am kleinen Kriege betheiligte. Bergl.
Gstb. 1. Schl. K. I, 293.
**) G. P. III. A.