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Friedrich des Großen Anschauungen vom Kriege in ihrer Entwickelung von 1745 bis 1756
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305
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X. Wahrnehmungen und Folgerungen allgemeinen Charakters. Z05

Oavallsris gehet zu Grunde", so müssen wir ihm das glauben und nichtetwa als übertrieben von der Hand weisen im Hinblick auf das, was wirkennen und gewöhnt sind.

Es leuchtet ein, wie sehr unter diesen Umständen die Kriegführung inarmen und schlecht angebauten Ländern erschwert sein mußte. In der Thatist dies eitle Lehre, die Friedrich mit dem größten Nachdrucke aus seinenKriegserfahrnngen zog. Schon zu seiner Zeit standen die SlavischenGegenden Oesterreichs und Polen, was die Zahl und den Zustand derStraßen und Brücken, die Dichtigkeit der Besiedelung, die Wohlhabenheit derBevölkerung betrifft, hinter den meisten Gegenden Deutschlands zurück.*)

Immer wieder betont Friedrich in der „klistoirs äs mon tswps" dieOede im Slavischen Theile Böhmens: „Hrmnä vous rsmontsL 1a, Noläan,on Inissnnt krnA'us äsrrisrs vons, vons passsr: pur nn pa^s montnsnxot äillioils, mal psnplä st plus mul snltlvä susors^, und geht so weit zusagen, daß man den Krieg in Böhmen „nicht viel anders, als in einerWüsteney führet".**)

Kaum einer der Französischen Feldherren, die in der Regel im reichenFlandern, am Rhein oder in Italien fochten, hatte solche Schwierigkeitenkennen gelernt wie Friedrich der Große 1744, und da ist sein Bedürfniß,in Zukunft den Krieg in so schlimmen Gegenden zu meiden, besonders insteter Erinnerung an die drohende Desertion, gewiß zu verstehen.

Walteten nun auch in Böhmen ganz besonders schwierige Verhältnisseob, so war es doch erfahrungsgemäß damals nirgends in Europa möglich,ansehnliche Heere von 50 000 bis 100 000 Mann lediglich durch das Land,in dem gerade Krieg geführt wurde, zu ernähren. Der Zustand der Ländersowohl als die Kriegsweise mit ihren langen Operationsstillständen, ihrenPausen, ihrer gelegentlichen Rückkehr in bereits durchzogene und aus-gesogene Gebiete machten dies materiell unmöglich, während es den kleinenHeeren des Dreißigjährigen Krieges noch gelungen war. Allerdings hatten siedabei so gehaust, daß die mitteleuropäischen Kriegsschauplätze auf mehrereGeschlechter hinaus verwüstet waren. So hatte das Anschwellen der Stärkeder Heere zur Einrichtung der Magazinverpflegung geführt, deren Magazin-.Wesen bekannt ist.***) Der König handelt in den „Osirsra.l-I'rinoipin" sehrausführlich davon. Die Ansicht, daß in dem System der Magazinverpflegungalle Bedürfnisse des Heeres ausnahmslos aus dem eigenen Lande nachgeschobenworden seien, trifft den Ausführungen des Königs zufolge für das PreußischeHeer und die Preußische Kriegführung durchaus nicht zu. Wie auf allenGebieten des Kriegswesens, so erkannte der klare Geist Friedrichs auchhier die Mängel des Bestehenden, ohne sie jedoch grundsätzlich heben zu

II. n. IN. r, 328.

*') G. P., III. A.

***> Gstb. 1. Schl. K. I, 60 ff.