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3. Die Entwickelung deS Königs auf strategischem Gebiet.
ciuf taktischem Gebiet das Königliche Bewußtsein Friedrichs von der über-legenen Güte seines Heeres nnd das Bedürfnis; entgegen, seine tüchtigenTruppen möglichst frisch und unberührt zu erhalten. Während aber andereFeldherren die verzögernden Einflüsse des Heerwesens auf die Kriegführungals etwas Gegebenes Hinnahmen, womit gerechnet werden müsse, als eineKlippe, die vorsichtig zu umschiffen sei, sucht Friedrich mit kühnem Schwungdas zu überwinden. Schon um den zersetzenden und schwächenden Wir-kungen langer Feldzüge auf das Heer zu begegnen, will er rasche Kriegeführen. Freilich fand solche Kriegführung bereits au den eben geschildertenVerhältnissen in der Truppe selbst eine unüberstcigliche Grenze, aber derKönig hofft doch, seine Kriege schneller zu beenden, als es zu seiner Zeitüblich war, ungefähr so schnell wie die beiden ersten Schlesischen, die demPreußischen Staat weit mehr Gewinn gebracht hatten, als den übrigenGegnern Oesterreichs der achtjährige Erbfolgekrieg. Das Mittel, denKrieg rasch führen zu können, erblickt er mit in einer Unterdrückung derFahnenflucht, wie sie in solcher Schärfe in anderen Heeren nicht geübtwurde, für die Preußische Armee aber eine Lebensbedingung war. Solange indeß die Heerverhältnisse des 18. Jahrhunderts bestehen blieben, konntees niemals gelingen, die Fahnenflucht ganz zu unterdrücken, und deshalb istein freies Entfesseln der Kräfte des Heeres auf dem Marsche wie in derSchlacht unmöglich gewesen. Wir sehen Friedrich damit beschäftigt, sich überdiese Hindernisse hinwegzuhelfen bis zur erreichbaren Grenze des Möglichen.
Aber auch iu anderen Richtungen thürmten sich einer auf schleunige Ent-scheidungen drängenden Kriegführung Schwierigkeiten entgegen, deren richtigeEinschätzung uns fast unmöglich geworden ist. Diese Schwierigkeiten sindaußerordentlich mannigfaltig nnd stehen untereinander in vielfachen Beziehungen.Theils lagen sie in der Beschaffenheit der Kriegsschauplätze, theils in wirth-schaftlichen Verhältnissen, theils in dem Geist nnd den Stimmungen der Be-völkerungen und der Heere selbst. Alle wirkten dahin zusammen, die Ernäh-rung der Heere sowie ihre Beweglichkeit ungemein zu erschweren.
Die Art wie die Heere des 18. Jahrhunderts im Kriege verpflegtwurden, ist bekannt. Bei der langen Dauer der Feldzüge und den mangel-haften sanitären Einrichtungen kam es darauf an, die Leute so gut wie möglichzu ernähren und ihnen verschiedene Bequemlichkeiten zu gewähren. Zn diesengehörte bei Offizieren und Mannschaften die Mitnahme eines großen Theilesihres beweglichen Eigenthums. Das ist sehr erklärlich angesichts der langenDauer der Feldzüge. Die Franzosen gingen hierin am weitesten, allein auchim Preußischen Heer nahmen die Offiziere manche Luxusgegenstände*) und viele
*) Vergl. Gstb. 1. Schl. K., I, Anlage Nr. 2. Jeder Kompagniechef durftel Packkalesche und 2 Reitpferde, jeder Leutnant 1 Pack- und 1 Reitpferd, die Stabsoffiziereund Generale das Fünf- bis Zehnfache an Pferden, außerdem Kutschen und RüstwagenMitnahmen. All dies gilt für die Infanterie der Preußischen Armee, in der in diesenDingen gegenüber anderen Heeren sehr inaßgehalten wurde.