270
2. Die Entwickelung des Königs auf taktischem Gebiet.
Friedrich ziehtdie Angriffs-schsacht vor.
immer vom Angriff und streift die Vertheidigung nur widerwillig und ge-legentlich. Näher wird darauf erst in dem Artikel „kN'wsautions gegenunrprissn" eingegangcn, d. h. das Verhalten, wenn man des Nachts in seinemLager überfallen wird. „Ich habe schon vorhin gesaget, was vor kWivenu-tion8 wir deshalb in Unfern Lagern nehmen und wie wir solches bewachensollen. Wenn ich aber supponirs, daß vhnerachtet aller dieser Urwoautions,der Feind sich der sa-wss nähern könnte, so würde Ich dieses rathcn: Dietrouppsu müssen sich hurtig ans dem tsronin so ihnen dazu angewiesenist, sn dataälks lorruirsu: die Onvallsris müste drnscznsmout allesatünignirsn, was sie gegen sich fände, die Inknntsris aber auf ihren Uostsnbleiben, und ihr Usloton-Feuer mit aller möglichsten vivnoit6 machen. . . .In solchen Gelegenheiten muß ein jeder Osnsral seine partüis selbst nehmen,und vor sich a^irsn, ohne die Orllrss des sn ollsk Lowlnanciirsnäsn 6s-nsra.13 abzmvarten ..." Also auch hier die Mahnung zu möglichster Selbst-thätigkeit.
Wo immer der König in den General-Prinzipien und den „Usns^ss strö^lss" taktische Verhältnisse behandelt, stets findet sich eine ausgesprocheneAbneigung gegen das vertheidigungsweise Verfahren vor, und überall suchter darzulegen, die Eigenthümlichkeiten der Preußischen Truppen könnten inder Vertheidigung nicht zur Wirkung gelangen, so daß sich schließlich seineganze Schlachtentaktik ans den Angriff zuspitzt, in einer Bestimmtheit undAusschließlichkeit, wie sie zu jener Zeit ganz und gar unbekannt waren.
Der König will also nur Angriffsschlachten schlagen, das ist seinerster großer Grundgedanke auf diesem Felde, gewonnen durch die lebendigeErfahrung zweier Kriege, in denen der Angriff stets gelungen war. Aberer fühlt, daß die Lagen im Kriege verschieden sind, und daß man nicht immergleich verfahren kann, auch wenn man im großen Ganzen stets das Gleichewill und sucht, nämlich den Angriff. Seine Betrachtungen und Regeln fürdie Angriffsschlacht gliedern sich daher in allgemeine überall und stets an-zuwendende Verfahren und in Vorschriften für einzelne Fälle. Die letztenwerden auf ihre Eigenthümlichkeiten geprüft und ihre Brauchbarkeit demnachbemessen und abgestuft. Da sind zunächst die nächtlichen Angriffe. DerKönig verwirft sie grundsätzlich. „Was Mich anlanget, so werde Ich niemalsmitten in der Nacht uitaguirsn, weil die Dunkelheit derselben, allerhand clss-orckrss nach sich ziehet, und weil viele Soldaten ihr cisvoir nicht andersthun, als wenn man sie unter Augen hat und sie die Straffe fürchtenmüssen."*) Wohl aber hält er den Anmarsch in der Dunkelheit und dasSchlagen bei anbrechendem Tage für aussichtsvoll.
Etwas weniger ablehnend, doch aber mißtrauisch stellt er sich dem An-griff auf verschanzte Stellungen gegenüber, hebt aber sehr im Gegensatz
*) G. P., Von denen Treffen und von vntoillon; vroenntiones gegen8nr>n'isen. . . XXlI. A.