2. Die Entwickelung des Königs auf taktischem Gebiet.
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drängt cr seine Erfahrungen in eine kleine Zahl von Thesen zusammen,deren Anwendung er für entscheidend hält, und läßt Alles bei Seiteliegen, was er nicht glaubt gebrauchen zu könne». Im Gegensatz zu.seinen Zeitgenossen, die fünfzig und mehr verschicdeve Arten, Schlachtenzu liefern und zu leiten, ermitteln, von denen viele nur durch ganz un-wesentliche Einzelheiten von einander abweichen, unterscheidet cr deren nurneun oder, streng genommen, eigentlich nur sechs, die auf alle Fälle passen, undverdichtet das endlose Vielerlei von Rezepten für „alle Fälle", dem wir beianderen Schriftstellern begegnen, immer mehr zu wenigen knappen Lehren, vonderen sieter genauer Befolgung er sich wiederholte Siege verspricht. Er scheutsich dabei nicht, nachdrücklich darauf zu verweisen, daß die vom Sieg gekröntePreußische Kriegskunst trotz ihrer Vollkommenheit immer noch weiterer Ent-wickelung fähig und bedürftig sei.* *)
Wir haben genug von des Königs Ansichten auf dem Gebiet der Ele-mentartaktik gehört, um uns zu sagen, daß er auch, was die Schlachtführungim Großen betrifft, wenig von der Verteidigung und von der Feldbefestigunghalten wird. So ist cs denn auch. In den Lehrschriften seiner Zeitgenossenspielt die „Fortifikation" in Bezug auf die Feldschlacht eine über alle Maßengroße Rolle, in der Praxis ebenso; selbst Moritz.von Sachsen machtein seinenFeldzügen in Flandern ausgiebigsten Gebrauch davon und gewann geradezu dieeine oder die andere Schlacht damit (Fontenciy)**). Anders der König.Bezeichnend sind schon die Titel, die er den Vertheidigungs-^Lataillon^ giebt.„Warum die i-otrunollsiusnls koreiret werden"***) — „Warum die Liniennichts taugen".***) Die sich in den herkömmlichen Bahnen bewegenden Lehrenüber die „elolousiou von einem rstraudwinsut,^***) leitet Friedrich mit demSatze ein: „Ich habe schon gesaget und wiederhole es noch einmal, daß IchMeine arm6s niemahls rotranellirsn werde, es sey dann, daß Ich eine Be-lagerung unternähme, und dennoch würde es besser sehn, dem zum Kuooursanrückendeu Feind entgegen zu gehen". In der nur zum eigenen Gebrauch
obliAs . . . 1'on peilt lairs 1a. Zusrrs, saus rieu ckouusr au basarä; et s'sst 1s plusbaut point cks psrteetlou et ä'Iiabilsts ck'uu Asusral . . Rüvsrlss II, 201/202.Erst im Vergleich mit den Besten seiner Zeitgenossen erscheint der König wahr-haft groß.
*) Cs kann auf dies Verdienst des Königs nicht nachdrücklich genug verwiesenwerden; in seiner Anpassungsfähigkeit an die wirklichen Bedingungen der Kriegführungseiner Zeit, in der vorurtheilslosen Veränderung seiner Kriegsweise unter dem zwingendenDruck der Verhältnisse und der Eigenthiimlichkeiten seiner Gegner liegt seine Ueberlegen-heit anderen Feldherren gegenüber. So liehe sich sehr leicht Nachweisen, daß Napoleon I.mit daran zu Grunde gegangen ist, weil er immer dieselbe Art der Kriegführung an-wandte und nicht bei Zeiten verstand, zu anderen Verfahren als den bisher geübten,von: Erfolge gekrönten, überzugehen.
**) Vergl. Anhang Nr. 8.
***) G. P-, Von denen Treffen und Ilataillsn. Die Fassung über die rstrauelrs-ineuts ist gegen die erste (I'rluelpss Asusraux) ersichtlich verschärft; dort hatte die Ueber-schrift gelautet „I'ourguol Iss rstrauelismsuts souvsut sout koress".