238
1. Einleitung.
Nun hielt Friedrich die Schrift durch mehr als vier Jahre vollständiggeheim. Erst im zweiten Halbjahr 1752 ließ er eine Uebertragnng insDeutsche vornehmen, deren Handschrift von ihm selbst und seinem Kabinets-sekretär Eichel sorgfältig gefeilt und mit Zusätzen versehen wurde. Dannwurde das Werk um die Jahreswende 1752/53 gedruckt und zwar unterdem Titel „Die Osnsosl-I'i'inoipis. vom Kriege, npplioirst auf die tnoticpusund auf die Oisoiplin derer l'rsnsZissllsn trouppsn. 1753^. In dieser ge-druckten deutschen Ausgabe wurden drei Artikel der „lN-inoipss Zänörnux"weggelassen, nämlich „äs3 progots äs snmpnAns" — „äs8 tnlsntg cgn'illaut n un Zcknckrnl" und „äs l'attacgns et äs ln äälsims äes plnees^.Das Wegbleiben der ersten beiden Artikel erklärt sich daraus, daß sie für dieausführenden Gehülfen des Königs keinen unmittelbaren Nutzen boten. Indieser Gestalt haben also die „Llenernl-IN'ineipia." 28 ^Votisul".*) ImJanuar 1753 wurden die Exemplare den höheren Truppenführern eingehän-digt; jedem war folgende Kabinets-Ordre vorangesetzt:
„Seine Königliche Majestät versichern Sich gantz zuverlässig von Dem-jenigen, welchen Sie gegenwärtiges Buch zustellen, daß Er auf seine Ehre,Hsputatiou und Pflicht, solches auf das sorgfältigste in Acht nehmen werde,damit selbiges niemanden weiter, er sey auch wer er wolle, zu Ge-sichte komme, noch jemahlen verlohren gehen müsse. Sollte es ge-schehen, daß es zu einer OnmpnAns käme, so wird hoffentlich der Besitzerdieses Buches sich den Inhalt dessen schon so bekannt gemachet haben, damites wohlverwahrlich Zurückbleiben, mithin durch keinen Zufall in Feindes Händegerathen könne noch müsse. Wenn Er krank werden und in gefahr kommensolte mit Tode abzugehen, welches Gott doch lauge verhüten wolle! So mußEr sorgfältig veranstalten, Daß dieses Buch wohl versiegelt, und gleich nachseinem Tode an Seine König!. Majestät Selbst wieder eingeschicket werde.
Berlin, den 23. January 1753. IHäsriolr.«
Der König erblickte in der unbedingten Geheimhaltung der „Osnsrnl-I^rinsipig.^ eine zwingende Staatsnothwcndigkeit.**) Die Veranlassung zu derlauge vermiedenen Uebergabe des Buches an die höheren Führer lag in der
*) Neudruck in „Militärische Klassiker des In- und Auslandes" von G. v. Marc-es.— Friedrich der Große, militärische Schriften, erläutert. . . durch v. Tapsen, Dresden 1885.Hier sind auch die drei in der deutschen Ausgabe von 1758 weggelassenen Artikel undzwar in der vom Könige selbst veranlaßten deutschen Uebersetzung beigefiigt.
**) Die Geheimhaltung gelang auch zunächst. Erst 1760 fiel den Oesterreichern durch dieGefangennahme des Generalmajors v. Ezettritz bei Eoßdorf ein Exemplar in die Hände undwurde sodann sehr bald nachgedruckt und in alle Sprachen übersetzt. Oeuvre», XXV lll,^vert.isk'omvvt, ,lo lleclitour XV. Mit welchem Argwohn der König auf die Geheimhaltungder Gencralprinzipien hielt, geht aus einem Befehle an vchwaldt vom Januar 1755 hervor,worin der Feldmarschall angewiesen wird, einen ehemaligen Oesterreichischen in PreußischeDienste übergctretenen Offizier verhaften und insgeheim vernehmen zu lassen. Dieser Offizier