Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
274
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Kranklieiten ist daher das Nachlassen so vieler Ge-wohnheiten zu bemerken» Oft ist es sehr übel,und man freut sich, wenn der Kranke wieder zuseiner Gewohnheit zurückkehrt, weil er dabei wie-der seinem ehemaligen Zustande näher tritt.

Fast jeder Mensch trifft auf eigene Reize, andie er sich nicht gewöhnen kann, welche Eigen-thümlichkeit man mit dem Namen Idiosyncrasiebelegt» Einzelne Blumen riechen uns vielleicht un-angenehm, die von andern geliebt werden; einzelneNahrungsmittel sind uns vielleicht widerlich, erregenErbrechen, oder Hautausschläge (wie z. B. einNesselfieber bei Einigen nach dem Genufs vonKrebsen oder Muscheln); einzelne Medicamentewirken nachtheilig; ja es giebt Menschen, die keineKatze, keine Spinne sehen können. Vieles davonist Ziererei oder Einbildung, und ich habe selbsteinen Fall erlebt, wo Jemand angeblich durchauskein Opium vertragen konnte, er bekam es untereinem andern Namen und es that ihm sehr wohl;vieles ist aber auch wirklich unverstellt, und mansieht diefs um so mehr, weil bei manchen Men-schen sich solche Idiosyncrasieen nach einer Krank-heit, mit dem Alter u. s. w. verlieren.

Anm. Wenn man auf die angegebene Art die Gewohn-heit und Idiosyncrasie zusammenstellt, und beide unter Umstan-den veränderlich annimmt, so wird man wohl mit der Erklä-rung eines jeden Falls fertig werden. Wenn z. B. alte Säufernach einer geringen Menge Weins oder Branntweins betrunkenwerden, so scheint das zuerst paradox, und man sollte glau-ben, sie müfsten die gröfsten Gaben davon ertragen können: