Druckschrift 
Grundprobleme der Philosophie : Methodologie, Ontologie, Anthropologie
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

steht es aber, wenn wir „das Sein“ der Welt zu erkennen suchen ?Da tritt sofort ein Unterschied hervor. Die Seinsart, die bei derErkenntnis eines sinnlich wahrgenommenen Tons so „selbstver-ständlich“ ist, daß sie in der Regel nicht ausdrücklich erwähnt zuwerden braucht, wird in diesem Fall zum Problem. Was be-deutet es, daß die Welt „ist“? Das wollen wir in der Ontologieerst erkennen. Wir dürfen es also in keiner Weise voraussetzen,sondern auf der Frage, welche Art des Seins dem Weltganzenals Prädikat zukommt, liegt der Schwerpunkt der von der Onto-logie anzustellenden Untersuchung. Deshalb müssen wir von vorne-herein hier anders verfahren als dort, wo es sich um die Erkenntnisvon Weltteilen handelt, deren Seinsaft, wie die des Tons, nichtproblematisch ist.

Doch liegt darin nicht der einzige Unterschied vom Erkennender Weltteile, auf den wir in der Ontologie zu achten haben. Wirdürfen auch nicht voraussetzen, daß das Weltsein seiner Art nachdurchweg dasselbe ist. Es besteht vielmehr die Möglichkeit,daß wir, um der Welt in ihrem gesamten Sein universal oder philo-sophisch gerecht ziu werden, mehrere verschiedene Arten desSeins annehmen müssen, die dann erst in ihrem Zusammen das Seinder ganzen Welt ausmachen. Häufig wird das ontologische Problemanders gestellt. Man versucht, „das Sein“ der Welt als „einheit-lich“ in dem Sinne zu fassen, daß es nur e i n „wahres“ Weltseingeben könne. Wir haben zu beachten, daß das Wort „sein“ zuden vieldeutigsten Ausdrücken gehört, die man in der Sprachedes praktischen Lebens und dementsprechend (leider) auch in derPhilosophie benutzt. Auch daran ist zu denken, daß wir das Wort„sein“ bisweilen in einer Bedeutung brauchen, die sich von derjedes Welt seins unterscheidet. Wir schreiben in unseren Sätzenmit den Worten sogar solchen Gegenständen ein „Sein“ zu, vondenen wir überzeugt sind, daß sie nicht „in der Welt“ sind.Solch ein Sein, das z. B. in einem Satze wie: „Der Zentaur istein Pferd mit dem Oberkörper eines Menschen“ vorkommt, habenwir in unserem ontologischen Zusammenhang ganz auszuschalten.Wir müssen uns mit andern Worten bei der Fragestellung derOntologie vor jeder „monistischen“ Voraussetzung hüten. Vielmehrbleibt ein weitgehender ontologischer Pluralismus möglich.