dem wahrgenommenen oder angeschauten Inhalt auf, und derwird weder vermehrt noch vermindert, wenn wir die Realität alsPrädikat zu ihm hinzufügen oder sie ihm nehmen. Das hat eben-falls schon Kant gesehen, indem er die hundert wirklichen Talermit Rücksicht auf den Inhalt den hundert möglichen Talern gleich-setzte, und daran sollte man in der Philosophie festhalten. DaßInhalte, die uns unmittelbar gegeben sind, wie z. R. Farben oderTöne im Körperlichen, Schmerzen oder Lustempfindungen im See-lischen, „wirklich“ oder „real“ sind, bedeutet immer schon eineAussage über sie, und diese fällt in keiner Weise mit derbloßen Wahrnehmung der Inhalte zusammen. Darauf wiesen wirbereits hin, als wir den Begriff der Erkenntnis an der theoretischenErfassung eines einfachen Tones klarlegten. Daß der Ton „wirk-lich“ ist, kann nicht als anschauliches Abbild des wahrgenommenenTones gedeutet werden. „Wirklichkeit“ wird nur als Prädikat einerAussage verständlich. „Das Wirkliche“ ist das als wirklich p radi-zierte Seiende. Es ist w a h r, daß dieser oder jener Gegenstandder Wahrnehmung wirklich ist. Aber wahr ist nicht schon diebloße Wahrnehmung, sondern erst die Aussage über sie, und in-sofern gehört zu jedem Satz, daß etwas wirklich ist, nicht nur einSubjekt überhaupt, das dies Wirkliche im „Bewußtsein“ hat, son-dern zugleich ein Subjekt, das es als wirklich erkennt.
So müssen wir in der Philosophie denken, um das Wirklichkeits-ganze universal zu denken, und dadurch wird „die Wirklich-keit“ vollends in unauflösliche Verbindung mit dem Subjekt ge-bracht, das ihr erkennend gegenübersteht. Wollten wir ein die Weltals wirklich erkennendes Subjekt völlig wegdenken, dann hätte eskeinen Sinn mehr, von dem Ganzen einer wirklichen „Welt“zu reden. Es bliebe nur ein T e i 1 von ihr übrig, das wirkliche Ob-jekt, und auf das darf die Philosophie als Ganzheitswissenschaftaus den angegebenen Gründen sich nicht beschränken.
Darin findet der erkenntnistheoretische „Idealismus“ also seinebeste Stütze: zur realen oder wirklichen Welt gehört erkenntnis-theoretisch ein Subjekt, das sie als wirklich prädiziert. Mit anderenWorten: Realität oder Wirklichkeit sind im erkenntnistheoretischenGedankenzusammenhang, wie Kant sagt, Kategorien, d. h.deutsch und deutlich: Aussageformen, und dieser Umstand führt