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Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg
Entstehung
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Heinrich Soldan, der danach wohl zum Ziele kam, .scheint dannauch im Pfarramt zu Frankenberg der Nachfolge)- des JohannesStippen genannt Christiani geworden zu sein l ). Er hat sich späterdadurch hervorgetan, da/s er sich der Reformation entgegenstellte' 1 ).Dagegen hat ein anderer Frankenbergcr, der G.'s Stadtchronik miteiner kurzen Fortsetzung versah, hierbei seiner Bewunderung für dieSchriften Luthers lebhaften Ausdruck gegeben. Ein jeder, meint er,müsse sagen, das sei 'nicht eines Menschen, sondern Gottes Werk' 3 ).Die grol'se Bewegung, die die Geister so schied, hat G. noch selbstauftauchen und vorrücken sehen. Ein Brief des Abtes Ditmar zuHaina vom 19. März 1522*) bezeugt uns gerade für die Gegend vonIrankenberg, wie stark bereits damals 'Martin Luthers Lehren' dieVolksseele in ihren Tiefen erregten 6 ). Wie G. der Bewegung gegen-übergestanden haben mag, wissen wir nicht. Wir können nur sagen,dals er in seinem priesterlichen Amt wohl schlicht am Alten hing,aber gewil's kein kirchlicher Eiferer war. Vor eine persönliche Ent-scheidung in der religiösen Frage ist er nicht mehr unmittelbar ge-stellt worden. Er starb am 27. August 1522, im Älter von 65 Jahrenund 4 Monaten 6 ). Auch auf politischem Gebiet hat G. demnach nochbedeutsame Wandlungen mitangesehen. Er hat es noch erlebt, da/sder junge Fürst, der vor seinen Augen in Sturm und Not heran-gewachsen war, schon im Jahre 1518 mündig erklärt, mit fester Handaie Zügel des hessischen Staatswesens ergriff. In sich wieder ge-sammelt und von Landgraf Philipps jugendlicher Kraft geführt, konnteHessen gerüstet und tatbereit eintreten in das grol'se Zeitalter, dase °en damals sich auftat. An seiner Schwelle ist G. gestorben. Aberauch von dem Geist der eigenen Zeit, einer Übergangszeit voll neuerVersuche und Gedanken, spiegelt sich bei G. nur wenig wieder. Nament-lich ist zu betonen, dafs er mit dem Humanismus, der ihm bis in dieotille der Vaterstadt hinein durch eine Reihe jüngerer Landsleuten< *hc gebracht wurde, keine innere Berührung gewonnen hat. G. warüberhaupt keine bewegliche Natur. Und die ganze Persönlichkeit un-seres Chronisten erscheint klein und bescheiden. Doch bleibt seinem■Manien ein dauerndes Gedächtnis gewahrt 'durch die Werke, die seinv °n Heimatliebe beseelter Fleifs uns hinterlassen hat.

II. Quellen.

Die Untersuchung der Quellen und literarischen Hilfsmittelunseres Chronisten hat auszugehen von den massenhaften Angaben,die er selbst hierüber macht. Von den Schriften, auf die er sich fürseine geschichtliche Darstellung beruft, nennt er eine erste Gruppe

rj. ') Als Plcban verzeichnet ihn A. Heldmann ZRG. 33, 424. ') Vgl

Weidmann a. a 0. 3 ) Eintrag zu 1517, letzter in der Rs. Gasscl, Mss. Hast.

f 158 (Bl. 456'). Im Druck von Faust Sp. 76 mit wort ist statt werk sei.> Mitgeteilt von Küch Zschr. d. Bergischen GV. 40 (1907), 91 ff. ") Vgl

AM cA a. a. 0.; Wenck ZRG. 41, 344 f. •) S. oben 2' m. Anm. 13.