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Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg
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früher die Stadt als lästige Nachbarin des Burgwaldes und des Jagd-schlosses Wollcersdorf betrachtet hatte. Landgraf Wilhelm III liet'sdie Ungnade fallen, die Frankenberg bisher zu tragen gehabt hatte.Er kam jetzt wiederholt dorthin und ging damit um, ein neues Schlotsan die Stelle des schon ganz verschwundenen alten zu bauen 1 ). Dastarb er unerwartet am 17. Februar 1500 zu Rauschenberg infolgeeines drei Tage früheren Sturzes auf der Jagd. Der Tod des nochjungen kinderlosen Fürsten brachte Oberhessen und Katzenelnbogenin den Besitz des niederhessischen Landgrafen Wilhelm II, der jetztalle Besitzungen des hessischen Hauses in seiner Hand vereinigte''),während er bis dahin mit Hof und Regierung des Marburger Vettersauf sehr gespanntem Fufs gestanden hatte. So hatte G. jetzt jeden-falls eine Zeittang tveniger persönliche Fühlung mit dem Hofe. Alser der Lehr, gelegentlich eine weitere kurze Fortsetzung bis zumHerbst 1500 anfügte 3 ), war ihm der Name der mecklenburgischenGemahlin, die Wilhelm 11 damals nahm, Anna, nicht gegenwärtig 4 ).G. lebte nunmehr vielleicht geraume Zeit fast ausschließlich in seinerVaterstadt.

Hier schrieb oder vollendete G. damals die Stadtchronik vonFrankenberg 5 ). Hals diese Chronik in ihrer ganzen Anlage undAusführung jünger ist, als die Lehr., abgesehen von deren letztenAnstückungen, ist zweifellos. Das zeigt der Inhalt auf Schritt undTritt 6 ). Und auch die Sprache zeigt es, in Wortformen 1 ) und Aus-drücken 6 ). Die nachträgliehen Zusätze der Lehr, stehen in der Stchr.grofsenteils im Text 0 ). Beim Jahre 1434 findet sich ein schlagenderBeiveis für die Priorität der Lehr. 10 ). Wann die Abfassung der Stchr.begonnen hat, Vifst sich freilich nicht näher bestimmen. Doch istbereits ihre grot'se 'Lamentation' zum Jahre 1483 frühestens im Jahre1503 fertiggestellt u ). Von dem, was auf den beiden letzten Blätternder Handschrift steht 1 -), scheint einiges erst zugefügt, als das sorg-fältige eigenhändige lieg ist er, mit dem G. sein Werk versah* 9 ), schonvorgesetzt worden ivar u ). Den endgültigen Abschluß machte G. beimFrühling des Jahres 1506 iS ). Und bald danach muts er die Nieder-schrift vollendet und das Werk seinen Mitbürgern übergehen haben,sonst hätte er den neuen grolsen Brand zu Frankenberg vom 24. August1507 nicht unerwähnt lassen können 1G ).

») 463—466. 468 f. 469. 470 m. Anm. 5 ff. ») G. nennt ihn nachher

in der llgttf. 375 'den Reichen'. 3 ) Wortform Elisabeth 315 Z. 4 gegen Elyza-

beth 314 Z. 9; vgl. oben 4* Anm. 5. 4 ) 315 m. Anm. c. Was 304 f zwischen

1484 und i486 steht, ist erst später geschrieben. '') 386-474; Register

379-385. G. selbst bezeichnet das Werk 379 als chronike von Franckenberg.8 ) Besondere Beachtung verdienen die beiden Listen von Ortsnamen mit Francken-in der Lehr. 31 und in der Stchr. 389. Dort hatte G. deren 14 zusammengebracht,hier kennt er jetzt 20. — Statt des einen Dagobcrtshavsen in der Lehr. 40 nenntdie Stchr. 390 f zwei. 7 ) Vgl. oben 4* Anm. 5 (Elisabeth). 8 ) Vgl. z. B.

den neuen Titel Junckern u. junchern für die v. Hatefcld 434 Z. 2 u. 438 Z. 18gegen 258 Z. 13 u. 272 Z. 3. »j Vgl. oben 12' m. Anm. 5. '") Vgl.

449 Anm. 5. ") Vgl. 466 Anm. 2 u. 5. '-') 468—474 = Bl. 35 u. 36.

") 3,9—385. 14 J Vgl. 468 Anm. b u. 15. '") Vgl. 474 Anm. 8.

16 ) Ein Späterer berichtete hiervon (kurz) und von 1520 in der Originalhandschrifl;vgl. 474 Anm. b. Andere Fortsetzungen bis 1525 stehen in Abschriften; vgl. dieAusgabe von Faust (1619) Sp. 76; Anal. IJass. 5, 239 f.