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Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg
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Jahre 1495 im Gefolge seines Herrn auf dem grolscn WormserBeichstag weilte und ein Stück deutscher Reichsgeschichte wenigstensvon aufsen mit ansah. Darüber gibt er selbst uns folgende Mit-teilungen. Als Kaplan Wilhelms III sei er mit dabei geivesen, wiedieser vom Römischen König Maximilian su Worms auf dem Reichs-tag, es war am 16. Juli 1495, seine Regalien empfing 1 ). Und da-mals zu Worms 2 ) habe er es erwirkt, l dafs der Landgraf seinenWillen dazugab, dafs die Stadt Franlccnberg ihr Banner wiederführen möge\ das sie einst im Jahre 1412 im benachbarten kölnischenWestfalen im Kampfe verloren hatte, und das seitdem in der Kirchezu Medebach gehangen hatte 3 ). Es ist wieder eine der lokalpatrioti-schen Taten, die G. seiner Stadtchronik einverleibt hat. In der Landes-chronik nennt er den eigenen Namen nie und drückt sich meist ganzunpersönlich aus*). Allerdings geht G. gerade beim Wormser Reichs-tag von 1495 auch in der Lehr, einmal mehr aus sich heraus. Nichtetwa, dafs seine ganze Erzählung dieses selbsterlebten Ereignissesselbständig wäre: er klammert sich eng an zwei gedruckte Quellen,die er mit mühevollem Flcil's auszieht^). Aber er steuert aus Eigenem 1 *)die hübsche Schilderung bei, wie das hessische Belehnungsbanner wegenseiner Gröfsc und Schönheit vor der üblichen Zerstörung durch dieKriegsknechte bewahrt und in die Liebfrauenkirche vor der Stadtgeopfert wurde' 1 ). Es scheint jedoch, als ob sich selbst hierbei diezurückhaltende Art unseres Chronisten gegenüber zeitgenössischenDingen nicht völlig verleugne. Denn andere Augenzeugen haben späterbekundet, der Hofmeister Hans von Dörnberg sei es gewesen, der jenesBanner von den königlichen Trabanten eingelöst und in die Kirchegestiftet habe 8 ). Davon aber sagt G. nichts. Und das erinnert unsan die Tatsache, dafs der Name Dörnbergs, dieses mächtigen undgefürchteten oberhessisclien Staatslenkers, von G. überhaupt nirgendwogenannt wird. In der Stchr. hätte seine Erwähnung sehr nahe ge-legen 9 ); selbst hier erfolgt sie nicht. Wie anders dagegen JohannesNuhn mit seinem temperamentvollen subjektiven Urteil! Er zeigtuns, wie man über Dörnberg, den 'heimlichen Landgrafen', dachteund sprach 10 )', nicht G., der wohl von ihm selten und hören mufste,wenn er als Kaplan am Hofe Landgraf Wilhelms weilte. Und dafsdiese Stellung G.'s keine blofs vorübergehende war, lehren uns weitereZeugnisse. Möglich scheint mir, dafs G. im Jahre 1496 mit seinemHerrn in Heidelberg war il ). Einen festen Anhaltspunkt aber gewinnenwir dann aus einer eigenhändigen Urkunde vom Jahre 1497 12 ).Durch Revers vom 10. Januar 1497 bekundet Wigatulus Doliatoris,

') Da hatte der furste eynen capellan bie sich, der hifs her W. G. u. S. W.») So müssen wir ihn wohl verstehen. 3 ) 46.9; vgl. 285. 447. 469 Anm. 9.

Dafs G. die Sache in Worms zur Sprache brachte, hing vielleicht zusammen mitdem damaligen Aufhängen des hessischen Bclchnungsbanners in der Liebfrauen-kirche; s. unten. ') Auch in der Vorrede. Stellen mit ich tauchen erst sehrspät auf: 287 (gleich siebenmal). 288 (dreimal). 295—298. In der Stchr. stehtich beim Namen 388. 6 ) Vgl. 307 Anm 16; 308 Anm. 1; 310 Anm. 38; 311Anm. 8. *) Wenn auch vielleicht nicht ohne Anregung durch einen anderen,kurzen Bericht; s. 312 Anm. 10 ff; 313 Anm. 4. 7 ) 312 f. 8 ) Vgl. 313Anm. 1. 9 ) Vgl 463 tn. Anm. 8; 465 unten. 10 ) Vgl. Diemar MOHGV.NF. 8,10. ") Vgl. 314. ") 478.