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Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg
Entstehung
Seite
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Haupttriebfeder G.'s für die Zusammenstellung der Lehr, die reineAbsicht geschichtlicher 'Erkenntnis gewesen ist, und dafs die Liebezur hessischen Heimat dem Verfasser hier als Ansporn gedient hatim allgemeinen nur für fleifsige Erforschung, nicht für unredlicheVerherrlichung ihrer Geschichte.

Eine Nebenabsicht allerdings hat Gr. bei der Niederschrift seinesWerkes doch mit im Auge gehabt, aber eine harmlose. Das führtuns zurück auf seine Beziehungen zum oberhessischen Landgrafenhofe.G. erscheint in der Tat als eine Art Hofldstoriograph, aber mehrals freiwilliger, denn als gedungener und zu bestimmter Tendenz ver-pflichteter. Er folgt offenbar eigenen inneren Antrieben, doch erschreibt zu Nutz und Frommen des Landgrafen und seines Hofes;mit bescheiden, aber bestimmt durchblickender pädagogischer Absicht l ).'Ihr sollet gedenlcen der Werke der Väter', ruft er 'dem edeln Fürsten-tum zu Hessen' zu. 'Was die alten Fürsten und Herren gegen Gottund die Welt und gegen ihre Lande Gutes getan haben!, das mögeden 'jungen und nachkommenden Fürsten und Fürstinnen' ein Vorbildsein ; toas jene aber etwa ' Unbequemes und Versäumliches' gehandelthaben sollten, das möge den jungen Fürsten zur Warnung dienen"*).Denn: 'tves Werk ein jeglicher folget, des Lohn wird ihm zuletzt'*).Sanfte Mahnungen, deren eigentlicher Adressat der leichtsinnig inden Tag hinein lebende, nur seiner Jagdleidenschaft frönende jungeFürst war, unter dessen Günstlingswirtschaft G.'s Vaterstadt zu leidenhatte*), und auf den G. später in der Stchr. das Wort zu beziehengewagt hat: ve tibi terra, cuius rex est puer; we ist dem lande zualler frist, wilches herre eyn kynt ist 5 ). Aber so deutlich zu werden,hatte der Chronist bei Lebzeiten Wilhelms III sich schwerlich getraut ;in der Lehr, hütet er sich vor jeder ausdrücklichen Bezugnahme aufdie Gegenwart. Einmal freilich hat er sich doch nicht enthaltenkönnen, seinem Herrn förmlich den Spiegel vorzuhalten und warnendein trübes Zeitgemälde zu entwerfen vom Landgrafen und seinen über-mütigen Dienern; aber er hat dies Gemälde sehr vorsichtig verstecktin einer angeblichen Schilderung der übelen Wirtschaft, die einstmalsim 12. Jahrhundert geherrscht habe in Thüringen zur JugendzeitLudwigs des Eisernen, ehe dieser vom Schmied zu Ruhla hart gemachtwurde*). Die Stelle ist auch dadurch merkwürdig, dafs sie einender ersten festeren Schritte G.'s darstellt auf dem abschüssigen Wege,seinen Quellen und der geschichtlichen Wahrheit Gewalt anzutun.Meistens jedoch beschränkt sich die pädagogische Tendenz G.'s in derLehr, darauf, einfach den Quellen nacherzählte Ereignisse hier undda durch Worte der Nutzanivendung, eigene kurze Belehrungen oderSprüche bewährter Weisheit^), teilweise mit gereimten üebersetzungen,

l ) Vgl. Pistor 25 f. — Schulmeisterlich ist es auch, wenn G. zuweilen einekorrektere Handlungsweise in seine Quellen hineinkorrigiert; s. z. B. 46 Anm. 1;171 Anm 1; 208 Anm. 6. — Derbe Worte werden vermieden; vgl. 35 Anm. 13.■>) 1; vgl. 209 f. s ) 2. *)463ff. ") 466; übernommen aus 89 f. —

Auf den jungen Lgr. Philipp machte dies Bibelwort grofsen Eindruck; s. Bommel3, 243. e ) 134 ff; vgl. 136 Anm. 3 u. 4; 139 Anm. 1. 7 ) Heiliger wie

profaner. — Lateinische Verslein, die G. wohl schon aus der Schule kannte, stehen7 Z. 2; 7 Z. 8 v. u.; 9 Z. 8; 12 Z 2; 68 Z. 14; 94 Z. 13. Deutsche Sprüch-wörter fehlen fast ganz; Ausnahme 7 Z. 2. Vgl. Pistor 49 f.