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etwa Mangel an stilistischer Begabung unseren Chronisten so bindet.Er ist im Gegenteil ein durchaus gewandter Erzähler. Seine Ueber-setzungen sind flüssig und belebt. Und wo es die besondere Art derVorlage fordert, leann G. auch freier gestalten. Das ist z. B. beiden 'Wundern Elisabeths" 1 y ) der Fall; hier wird die Form des Ver-hörprotokolls mit förmlicher Kunst in glatte Erzählung umgesetzt 2 ).Wo aber gar keine schriftliche Quelle vorliegt, ivcit's G. ganz behaglichzu plaudern. Trotzdem also folgt er für gewöhnlich streng seinenQuellen, am strengsten den deutschen. Da/'s G~ sich fest an derenWortlaut hält, lä/st uns, soweit sie erhalten sind, ihre Benutzung bisins einzelnste verfolgen, ermöglicht uns an allen in Betracht kommendenStellen ein reinliches Auseinanderscheiden der verschiedenen Quellen-stücke und deckt uns das so eigenartige Verfahren G.'s völlig auf,in minutiöser Kleinarbeit aus den vorher angesammelten 3 ) Auszügenseiner zahlreichen Vorlagen seinen Text nach und nach zusammenzu-setzen: eben ein förmliches Mosaik herzustellen durch Nebeneinander-halten, Verbinden, Ineinanderschieben selbst winziger, oft auf eineinziges Wort beschränkter, buntgemischter QiceUenteilchen. Die stilisti-sche Glättung des Mosaiks erfolgt durch kleine Aenderungen in Wort-form und Ausdruck, Ideine Kürzungen, Zusätze, Umstellungen. Blindkann man das Abschreiben G.'s nicht nennen; er behält vielmehr deneigenen Sprachgebrauch und die feste Einrichtung seines Werkes immerim Auge. Aber der Inhalt der einzelnen Textstückchen bleibt mög-lichst unberührt so, ivie in der Vorlage. Sachlich zeigt die gesamteQuellenbenutzung G.'s eine gewissermafsen solide Schwerfälligkeit.Auch 100 der Chronist zivischen mehreren Vorlagen häufiger hin undher springt, lälst sein Text doch meist alle Fugen der Compilaiionleicht wiedererkennen; einer Compilation, die in ihrer ganzen Artwohl ziemlich einzig dastehen dürfte.
Die Ausbeute aus den einzelnen Quellen war für G. natürlichsehr verschieden. Manche Werke boten ihm nur gelegentlich etwasfür seine Zwecke, manche konnte er auf weite Strecken hin immerwieder heranziehen, manche konnte er an ihrem besonderen Ortgrofsenteils geschlossen übernehmen. Dafs G. im allgemeinen seineVorlagen wenig auf ihren Wert prüft, einer jeden ziemlich kritiklosfolgt und auch grobe Fabeln harmlos und leichtgläubig hinnimmt, istweniger sein persönlicher Fehler, als der seiner Zeit. Auch wo G. dieWahl hat zwischen guten und schlechten Quellen, zeigt sich sein Unter-scheidungsvermögen noch recht unentwickelt; zuweilen freilich regt essich doch schon. Wo G. verschiedene Quellen nebeneinander benutzt,hat er die echt scholastische Neigung, sie in Einklang zu bringen,ihre Widersprüche zu überbrücken*). Wo er aber einen Widerspruchausdrücklich festnagelt, läfst er es meist dahingestellt, was das Richtigesein mag'- 1 ); es ist eine Seltenheit, wenn er einmal das kritische Urteil
') 321 ff. *) Vgl. Wcnek, Die h. Elisabeth (1008) 54 Anm. 30. —
Erwähnt sei noch, dafs das Versemachen G. nicht schwer wird; vgl. z. B. 41 u.167, zwei Paraphrasen desselben Bibelspruchs. Auch lateinische Verse macht G.;vgl. z. B. 461 f (Stchr.). 3 ) Vgl. 239 Anm. a; hier denkt G. an den nachher
268 gebrachten Bericht. *) Vgl. z. B. 30 Anm. 6. 5 ) Vgl. z. B. 77
oben 'Wie dem alle' ist seine übliche Schlufswcndung.