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Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg
Entstehung
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detem 16. Lebensjahr, im Sommersemester 1473, die von Hessen starkbesuchte Hochschule zu Erfurt bezog. Er steht in der Matrikel 1 )zwischen Johann Schobel, Johann Sartoris, beide • von Laasphe, undeinem anderen Frankenberger, dem 'Bürgerssohn' Heinrich Weiden-hain, der ebenso wie er nachher in seiner Vaterstadt Altarist war 2 ).Drei Jahre später aber, ivohl nach Abschluts seiner Universitätsstudien 3 ),scheint dann G. zu Hause das grol'se Unglück mit erlebt zu haben,das über Frankenberg jählings hereinbrach: den furchtbaren Brand,durch den am 9- Mai 1476 die Stadt fast völlig in Asche gelegt wurde.Gar wehmütig hat G. das traurige Ereignis und seine Folgen nach-her in seiner StadtchroniJc ausgemalt*). Vielleicht war er unter den'jungen gelehrten Gesellen', die damals, 'ivohl um die Mitternacht,von frommer Sorge getrieben 'mit grol'ser Arbeit durch das Feuer bisin die Pfarrkirche' drangen und das glimmende Feuer, das durch dieLöcher im Gewölbe herabfiel, mit dem Weihwasser auslöschten 5 ).

Der schönen Marienkirche, die bis auf den heutigen Tag dieZierde und den Stolz von Franlcenberg bildet, ist G. zeitlebens durchBeruf und Neigung verbunden geblieben. Zum Priester geiveiht, lebteer zu Hause in der bescheidenen Wirksamkeit eines der zahlreichendortigen niederen Weltgeistlichen. Kleine Beiträge zu seiner Biographieliefert eine Urkunde vom 28. September 1485; denn der Text desOriginals ist von ihm geschrieben®). Aussteller war der mainzischeGeneralvikar Bruder Johannes Schidtc genannt Gultenhaus, Titular-bischof von Syros 1 ); er getvährte einen Ablal's für Besucher des vonihm damals neugeweihten Allerheiligen-Altars in der alten Kapelledes Nonnenklosters Georgenberg vor den Toren Frankenbergs 8 ). Diesälteste Schriftstück, das wir von G. besitzen, zeigt ihn uns als einennach allen Pegeln der Kunst ausgebildeten Meister in Schönschriftund Abbreviatur lateinischer Texte. Die Festigkeit seiner Hand Vifstauf grofse Uebung sehlie/scn. Und aufserdem bezeugt nun unsereUrkunde, dal's G. im Herbst 1485 in Frankcnhcrg weilte. Zum Jahre1486 berichtet er selbst zum erstenmal von seiner dortigen Stellungals AltarisP), also als Mcfspricsler, Inhaber einer oder mehrerer dervielen Altarpfründen ohne Seclsorge in der Frankenberger Pfarre 10 ).Im Jähre 1488 war G. mit dabei, wie sein Studiengenosse HeinrichWeidenhain den Annenaltar in der Sakristei der Pfarrkirche '*) dotierteund sich selbst darauf ordinieren licfs n ). Eine eigene Frankenberger

') S. unten 478 Anm. 3. '-') 467 (Stchr.) m. Anw,. 8. 3 ) Vgl. Schröder in

Protokolle a. a. 0. 99. *) 456—463. h ) 459. °) Eine Beobachtung,

die mir von Friedrich Küch als richtig bestätigt wird. 7 ) Fratcr Joh, episcopus

Sironensis. Vgl. Eubel, Hicrarchia catholica 2, 267 u. 308. Der Name beiBücking, Bilder aus Marburgs Vergang. 78 ist irrig. 8 ) Marb. Staatsarchiv,

ZI. Georgenberg, Or. I'crg. m. anh. S. °) 466 (Stchr.). Dieselbe Bezeich-

nimg 470 (das.). — Allgemeine Bezeichnung Priester 469 (das.) u. 497 (Brief 1517).'") Ueber das Amt und die wirtschaftliche Lage der Altaristen vgl. Falckenheiner,Hess. Städte u. Stifter 1, 145 ff; llcfelc in Thcol. Quartalschr. 50, 112 ff; Wernerin Dt. Oeschichtsbll. S, 218 ff. lieber die besonderen Verhältnisse in Frankenbergvgl. G. (Stchr.) 419. 430. 432. 437 f. 441. 444. 451. 462 f. 467- 469. 479. ") Er

steht noch. In der Kirche selbst ist nur der Hochaltar bestehen geblieben.'*) Das Ereignis von 1488 berichtet G. in der Stchr. 467; da/'s er do bye, oberund anne sye gewest, bekundete er später dem Bat der Stadt, wie dieser in demunten abgedruckten Brief von 1517 schreibt.

1*