intellektuellen Frankreichs für die moderne Musik bezeu-gend ; dazu einen klug gefühlten Aufsatz über NietzschesAtheismus, verstanden als eine religiöse Sonderform, inÜbereinstimmung mit der mir sehr naheliegenden Auf-fassung, der ich selbst in der amerikanischen Kritik schonbegegnet bin: daß Nietzsches Kampf gegen die christ-liche Moral ein Ereignis innerhalb der Geschichte desChristentums bildet. — Stephen Spender hatte das zerstör-te Deutschland bereist; sein sehr lebendiger Bericht dar-über erschien auf deutsch in der «Neuen Schweizer Rund-schau» und flößte gelinden Schrecken ein durch seinedegoütierte Schilderung der tragischen Ergüsse deutscherSchriftsteller in ihrer nichtsnutzigen Verwaschenheit,ihrem gemütvollen Dünkel,—gelindes Entsetzen wiedereinmal vor dem Gehaben der «Inneren Emigration». «Mitden Augen des Westens» hätte der Artikel heißen können,wie das Meisterwerk Joseph Conrads, von dem ich vordem Schlafengehen jetzt sehr viel oder alles las: ich hattemit Lord Jim begonnen, fuhr fort mit Victorj und las inWochen die ganze Reihe dieser Romane durch, unterhal-ten, beeindruckt und als Deutscher irgendwie beschämtdurch eine männliche, abenteuerliche und sprachlich hoch-stehende,psychologisch-moralisch tiefe Erzählungskunst,wie sie bei uns nicht nur selten ist, sondern fehlt. — DerGrüne Heinrieh, durch Goethe auch mit dem Nachsommerverwandt, wie mir auffiel, beschäftigte mich noch immerweiter. Bewunderungsvoll bis zum Schluß, ließ ich michin meiner literarhistorischen Unwissenheit verwirren undintriguieren durch die Nichtübereinstimmung des viertenBandes, wie er mir jetzt vorlag, mit der im Krankenzim-mer benutzten Ausgabe, von der offenbar doppelten Fas-
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