VII
HEIMKEHR ist ein reizendes Abenteuer, besonders dieHeimkehr an diese Küste. Ich war entzückt vom weißenLicht und spezifischen Duft, vom Himmelsblau, Sonne,dem die Brust weitenden Atem des Ozeans, der Schmuck-heit und Reinlichkeit dieses Südens. Die Strecke vomBahnhof nach Hause (fast eine Stunde lang) wieder zu-rückzurollen, da einem so viel bevorstand, als es in um-gekehrter Richtung ging, hat etwas Unwahrscheinliches.Man hätte «es nicht gedacht». Getreue Nachbarn, dieunterdessen ein Auge auf das Unsere gehabt, die Postverwaltet hatten, brachten von dieser einen Riesensack,dazu Rahm, Kuchen und Blumen. Alfred Neumanns lie-ferten den Pudel wieder ab, der bei ihnen logiert hatteund nun verwirrt zwischen zweierlei Herrschaft schwank-te. Um rasch in Ordnung zu kommen, übermüdet mansich mit dem Sichten und Vernichten von angehäuftenDrucksachen, der Organisation mitgebrachter und Vor-gefundener Briefe. Einer war dabei von Bert Brecht,streng, vorwurfsvoll, wegen meines Unglaubens an diedeutsche Demokratie. Wie hatte ich ihn merken lassen,diesen Unglauben ? Und traf der Vorwurf zu ? Vielleichtschien mir, daß ein zu fürchterliches Stück Arbeit nochzu leisten sei, bevor deutsche Demokratie überhaupt zurDiskussion stehen würde. Freilich, daß Hitler verlorenwar, wußte nur er noch nicht, und obgleich, Italien etwaausgenommen, Europa noch ganz in seinen Händen war,durfte man über sein Ende hinausdenken. Aber wie sollte
61