Serenus Zeitblom, sich an sein Werk machen lasse, be-gann ich Doktor Faustus zu schreiben.
IV
ZU welchem Zeitpunkt ich den Beschluß faßte, das Me-dium des «Freundes» zwischen mich und den Gegenstandzu schalten, also das Leben Adrian Leverkühns nicht selbstzu erzählen, sondern es erzählen zu lassen, folglich kei-nen Roman, sondern eine Biographie mit allen Charak-teristiken einer solchen zu schreiben, geht aus den Auf-zeichnungen von damals nicht hervor. Gewiß hatte dieErinnerung an die parodistische Autobiographie FelixKrulls dabei mitgewirkt, und überdies war die Maßnahmebitter notwendig,um eine gewisseDurchheiterung des dü-steren Stoffes zu erzielen und mir selbst, wie dem Leser,seine Schrecknisse erträglich zu machen. Das Dämoni-sche durch ein exemplarisch undämonisches Mittel gehenzu lassen, eine humanistisch fromme und schlichte, lie-bend verschreckte Seele mit seiner Darstellung zu beauf-tragen, war an sich eine komische Idee, entlastend ge-wissermaßen, denn es erlaubte mir, die Erregung durchalles Direkte, Persönliche, Bekenntnishafte, das der un-heimlichen Konzeption zu Grunde lag, ins Indirekte zuschieben und sie in der Verwirrung, dem Händezitternjener bangen Seele travestierend sich malen zu lassen.
Was ich durch die Einschaltung des Narrators gewann,war aber vor allem die Möglichkeit, die Erzählung aufdoppelter Zeitebene spielen zu lassen, die Erlebnisse, wel-che den Schreibenden erschüttern, während er schreibt,