der Tag, an dem ich zum erstenmal wieder den Straßen-anzug anlegte und im Rollstuhl vor das Gebäude hinausin die sich erwärmende Frühlingsluft befördert, auchetwas ausstieg, um eine mäßige Promenade in Front desHauses zu halten, die Decke über den Knien auf einerBank zu verweilen. Ich las viel während der langen Liege-stunden. Anfangs war es die englische Ausgabe des ge-scheiten und vielgelobten Buches unseres Golo überFriedrich Gentz gewesen, die mich beschäftigte. Späterliehen Borgeses mir die vier Bände des Grünen Heinrich,der mir sonderbarer-, ja skandalöserweise bis zur Stundeso gut wie unbekannt geblieben war. Ich kannte KellersKorrespondenz mit dem Verleger Vieweg, der einen «Ro-man» in Auftrag gegeben hat und nun fragt, drängt, einsolchesNicht-fertig-werden-könnenschlechthin nicht be-greift, es für Trägheit hält und Betrug, schließlich in al-lem Ernst die Geduld verliert, während der junge Autor,dem etwas Einmaliges, aus aller Gewöhnlichkeit Fallen-des, ein nur in Jahren auszuschöpfendes Werk eigenwil-liger Größe unter den Händen wächst, sich entschuldigt,sich zu erklären sucht, keinen Termin halten kann undimmer wieder um Zeit einkommen muß. Der hochkomi-sche Konflikt hatte mir sehr gefallen, und doch hatte ichmich nie bemüßigt gefühlt, mit einem in so großer Tra-dition stehenden, meiner Sphäre so verwandten Werkeine mehr als oberflächlich versuchende Bekanntschaftzu machen. Hing es damit zusammen, daß meine Jugendsich viel mehr an «europäischer», russischer, französischer,skandinavischer, englischer Literatur gebildet hatte alsan deutscher, so daß ja auch die Begegnung mit Stiftersich erstaunlich lange verzögert hatte? Ich glaube, ich
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