kannte von Kellers epischer Autobiographie nichts alseine oder die andere Jugend-Episode, nichts als Meier-lein und seine «knappen Zifferchen». Nun las ich mit woh-ligster Anteilnahme, mit immer wachsender Bewunde-rung für den reinlich ausgebreiteten Lebensreichtum desBuches, die köstliche Akkuratesse seiner aufs selbstän-digste an Goethe gebildeten Sprache, — mit Bewunde-rung, obgleich doch an der Ich-Figur der Erzählung, demGrünen Heinrich eben, so wenig zu bewundern ist wie— gesetzmäßig offenbar — an den Helden anderer Erzie-hungs- oder Bildungsromane und der Name, den Goetheseinem Wilhelm einmal gibt: «Ein armer Hund», nochbesser auf ihn paßt, als auf diesen.
«You are still reading? You don’t sleep? Shame onyou!» Es war June, die das sagte, wenn sie um n Uhreintretend, noch Licht bei mir fand. Es wurde gelöscht,nur der bläuliche Schein des Nachtlämpchens blieb üb-rig, die seitliche Ruhelage war eingenommen und durchsKissen befestigt, und der Nachtengel setzte sich zur Be-wachung in den Stuhl, der am Tage auch mir nun so oftschon diente. Aber ich war dieses Daseins müde, durfteseiner müde sein, und in solcher Nacht entwarf ich denerregenden Plan, nicht volle sechs Wochen nach der Ope-ration hier auszuharren, einenÜbergangszustand zu schaf-fen und für die letzten Tage vor unserer Abreise ins Ho-tel, das vertraute Hotel Windermere nahe dem See, zuziehen. Dr. Bloch wurde zitiert und befragt; er stimmtezu. Rasch waren die Vorbereitungen getroffen, es reihtensich herzliche Verabschiedungen, Bücher-Inskriptionen,Geschenke an die Pflegerinnen; und eine Presse-Konfe-renz war rasch noch angesetzt: eine Anzahl Journalisten
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