Photographische Experimente eindringlicherer Art,Röntgen-Aufnahmen meiner Lunge, hatten einen «Schat-ten» irgendwo an diesem Organ zum Vorschein gebracht,von dem der Doktor meinte, daß man gut täte, ihn weiterzu beobachten. Vorderhand empfahl er die Behandlungvon Nase und Rachen durch einen Spezialisten, Mantschikmit Namen, französierter Pole und von sehr geschick-ter Hand, der sein Bestes tat, Symptome zu mildern,deren sekundärer Charakter immer deutlicher wurde.Längst hatte ich, nur halb eingestandenermaßen, nachmit-tags und abends ein bißchen erhöhte Temperatur undhatte auch welche, als ich am Abend des Tages, an demich das Oratorium abgeschlossen, zusammen mit mei-nem Bruder einen Rezitationsabend besuchte, den ErnstDeutsch im Warner-Studio veranstaltete. Eine gleichar-tige Darbietung des bedeutenden Schauspielers und vor-bildlichen Sprechers hatte ich schon versäumt und konntegar nicht anders,als diesmal seiner herzlichen schriftlichenEinladung zu folgen. Zahlreiche Bekannte waren da, undich genoß den Abend sehr, in dem etwas verfremdeten,zugleich matten und gehobenen Zustand, in den ein mäßi-ges Fieber versetzt. Spät kam ich zu Bette — und verließes dann einige Tage nicht, da eine grippige Erkrankung,nachmittags immer 3 9 0 Fieber erzeugend, mich darin fest-hielt. Eine Tag und Nacht alle drei Stunden durchge-führte orale Penicillin-Kur schlug überhaupt nicht an.Besser half immer die Empirin-Kodein-Mischung. Ichschlief viel, auch am Tage, und las nicht wenig, haupt-sächlich Nietzsche, denn der Vortrag über ihn schiennächstes Arbeitsprogramm. Es kamen dann Tage, dieich, zur Not genesen, aber bei fortbestehender Neigung
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