Wie charakteristisch für ihn war die Kindlichkeit diesesEnthusiasmus! Ich habe Franz Werfel immer sehr gerngehabt, den oft begnadeten Lyriker in ihm bewundertund sein immer interessantes Erzählwerk, obgleich es zu-weilen künstlerische Selbstkontrolle vermissen läßt, imHerzen hochgehalten. Das intellektuell nicht ganz rein-liche Spiel mit dem Wunder in Bernadette war mir be-denklich, aber ich konnte seinem naiven und reich talen-tierten Künstlertum die mystischen Neigungen, die esmehr und mehr entwickelte, das Liebäugeln mit Rom,die fromme Schwäche fürs Kirchlich-Vatikanische nieübelnehmen, es sei denn in den unglücklichen Augen-blicken, wo dies alles aggressiv-polemisch vorstieß. Erwar im Grunde ein Opernmensch und konnte auch aus-sehen wie ein Opernsänger (der er einmal zu werden ge-wünscht hatte), freilich zugleich wie ein katholischerGeistlicher. Die Versuchung zur Konversion hat er stand-haft abgelehnt mit der Begründung, es zieme ihm nicht,zu einer Zeit jüdischen Martyriums sein Judentum zuverleugnen. Wie er von seiner zweiten Herzattacke nocheinmal «kümmerlich genaß», um, meistens allein in SantaBarbara, seinen utopischen Roman, dies seltsame und ge-wissermaßen postume Werk,zu vollenden, durfte ich ihnmit einzelnen Teilen des werdenden Faustus bekanntmachen und mich seiner gespannten Anteilnahmefreuen. Wir hatten mit Alma Mahler bei Romanow zuAbend gegessen und gesellten uns dann zu ihm, der zuHause mit seinem Privatarzt gespeist hatte. Auf dem Sofaliegend hörte er sich meine ersten drei Kapitel an, und ichvergesse nicht, wie betroffen,oder soll ichsagen: ahnungs-voll beunruhigt, er sich zeigte durch Adrians Lachen,
65