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Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
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werk» nannte. Obgleich das Jugendwerk nun so langeschon, fast ein halbes Jahrhundert lang, sein eigenes, vonmir abgelöstes Leben führte und ich es kaum noch alsmir zugehörig empfand, war ich tief betroffen von dieserBotschaft, die mich unter so eigentümlichen Umständenerreichte. Mein gegenwärtiges dichterisches Anliegen warja etwas wie eine späte Rück- und Heimkehr in diedeutsch-altstädtische und musikalische Sphäre jenes Erst-lingsromans, und daß dieser ein so ganz und gar künst-lerisches Gemüt wie das Werfels gerade jetzt wieder sosehr hatte gefangennehmen können, mußte mir merk-würdig und ergreifend sein. Im übrigen waren die Be-trachtungen, die ich an den Brief knüpfte, fern von Über-mut. «Ich sinne darüber», schrieb ich, «ob es nicht diesBuch sein mag unter all den Meinen, dem bestimmt ist,zu bleiben. Vielleicht war damit meine ‘Sendung’ er-füllt und es war nur noch mein Teil, ein nachfolgendeslanges Leben leidlich würdig und interessant zu erfüllen.Ich will die Lebensentfaltung nach dem Jugendwurf,durch Zauberberg, Joseph, Lotte, nicht undankbar verklei-nern. Aber es könnte ein Fall sein wie mit dem Frei-schütz, — nach welchem noch allerlei sogar bessere, hö-here Musik kam, und der doch allein im Volke lebendiggeblieben ist. Immerhin, Oberon und Eurjanthe sind nochim Repertoire...» — Ich war einige Tage später bei Werfel,der sehr schlecht aussah, aber sofort begann, die begeister-ten Wendungen seines Briefes mündlich zu variieren. Ichstand am Fußende seines Bettes, neben dem der Sauerstoff-apparat aufgebaut war, und, die Augen auf mich gerichtet,beteuerte er, fast unglaubwürdig sei es ihm, den Verfasservon Buddenbrooks so empirisch vor sich zu sehen . . .

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