unterscheiden, ist nur ein geringeres Beispiel für dasMon-tageprinzip, von dem ich spreche. Da ist die Verflechtungder Tragödie Leverkühns mit derjenigen Nietzsches, des-sen Name wohlweislich in dem ganzen Buch nicht er-scheint, eben weil der euphorische Musiker an seine Stellegesetzt ist, so daß es ihn nun nicht mehr geben darf; diewörtliche Übernahme von Nietzsches Kölner Bordell-Er-lebnis und seiner Krankheitssymptomatik, die Ecce-Ho-mo-Zitate des Teufels, das — kaum einem Leser bemerk-liche — Zitat von Diät-Menus nach Briefen Nietzschesaus Nizza, oder das ebenfalls unauffällige Zitat von Deus-sens letztem Besuch mit dem Blumenstrauß bei dem ingeistige Nacht Versunkenen. Das Zitat als solches hat et-was spezifisch Musikalisches, ungeachtet des Mechani-schen, das ihm eignet, außerdem aber ist es Wirklichkeit,die sich in Fiktion verwandelt, Fiktion, die das Wirklicheabsorbiert, eine eigentümlich träumerische und reizvolleVermischung der Sphären. Zitat, ich brauche es nicht zusagen, ist die Übernahme von Tschaikowskys unsicht-barer Freundin, Frau von Meck, als Madame de Tolna.Zitat die Werbegeschichte, die unvorsichtige, hier aber inskeineswegs «Unvorsichtige» umgefärbte Sendung desFreundes zur Geliebten als Antragsüberbringer. Da so viel«Nietzsche» in dem Roman ist, so viel, daß man ihn ge-radezu einen Nietzsche-Roman genannt hat, liegt es nahe,in dem Dreieck Adrian - Marie Godeau - Rudi Schwerdt-feger ein Zitat von Nietzsches indirekten Heiratsan-trägen, bei der Lou Andreas durch Ree, bei dem Fräu-lein Trampedach durch Hugo von Senger (der schonhalbwegs mit ihr verlobt war) zu vermuten. Es ist abervielmehr, und zwar von Leverkühn selbst her gesehen,
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