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Die Grisardis des Erhart Grosz : nach der Breslauer Handschrift
Entstehung
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hat auch nicht der alte Tobias seinen Sohn segnendentlassen. Wie schonend und keusch sind die sinnlichenMotive berührt, mit denen sich andere Fassungen vielfreier und ungenierter abgefunden haben. Die Dar-stellung ist durchaus selbständig, die Sprache natürlich,öfter durch volksmäßige, sprichwörtliche Wendungenbelebt (waz mer? ich mein, was meinstu?). Selbst einliebenswürdiger Humor kommt zu Worte, wenn Grisardis,im Begriff bei Nacht vom Markgrafen zu scheiden, vondem hänfenen Hemde, das sie aus ihrer armseligen Hüttemitgebracht hatte, unter Lächeln sagt, es sei ihr zueng 1 ) und zu kurz geworden, wie dies meist bei Frauen,die geboren und dadurch an Länge und Dicke zu-genommen hätten, der Fall wäre; er könne das freilichnicht sehen, da es Nacht sei, sie bäte aber ein neuesStück tuüli mitnehmen zu dürfen. Dem gesundenMenschenverstände ebnet Erhart Groß die Wege: demallzu frommen, schon mehr asketisch-keuschen Mark-grafen dienen seine Räte mit der Bemerkung: im Himmelgebe es nicht nur Jungfrauen (Nonnen) und Mönche,sondern auch Eheleute und Witwen hoffe man dort zufinden, jungfräuliche Reinheit sei nicht die größte unterden Tugenden und manche Jungfrau sterbe, die imHimmel weniger Lohn erhalte als Abraham der Ehe-mann. Jeder Beruf habe seine bestimmte Aufgabe,vorausgesetzt, daß der richtige gewählt werde, derFischer nicht ein Fürst, der König nicht ein Müller sei.Aber weil es böse Frauen gibt, wollen wir deshalballe Pfaffen und Mönche werden?

Man darf es bedauern, daß der Grisardis des ErhartGroß kein größerer Erfolg 2 ) beschieden gewesen ist,

') et Griselidis prit la vielle rohe, qui lui clait si etroitequ'ä peine y^pouvait entrer heißt es ähnlich später in einerfranzösischen Übersetzung des Petrarca-Textes(LasersteinS.36).

2 ) Käte Laserstein möchte (S. 58 f.) für die im wesent-lichen Petrarca folgende Fassung, die sich in der bekanntenSammlung Scbertz mit der Wahrbeyt (Frankfurt 1550) findet,Bekanntschaft mit der Grisardis des Erhart Groß annehmen.Dies scheint mir durchaus nicht sicher. Abgesehen vonmehreren stofflichen Varianten können einzelne Parallelen