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Die Grisardis des Erhart Grosz : nach der Breslauer Handschrift
Entstehung
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XVI
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XVI

Der Sprecher des Volks ist des Markgrafen Rat Marcus,')und in langausgesponnenem, mit sichtlichem Behagengeführten Dialog wird das Für und Wider des Ehe-problems durchgesprochen; die ganze erste Hälfte des'Buches' wird damit ausgefüllt. Die zahlreichen Bei-spiele nnglücklich und glücklich vermählter Frauensind dem Hieronymus und Theophrast entnommen. Anspäterer Stelle wird einmal kurz auch Ambrosius ge-nannt, der gleichfalls im Buch der Ämter den FrauenLob gespendet hatte.

Boccaccios Behandlung des Griseldisthemas willreine Erzählung sein, nur das Tatsächliche interessiert;es herrscht kalte Sachlichkeit: der HerrenmenschWalther will ein Exempel statuieren zur Erziehungweiblichen Gehorsams. Dagegen steht Petrarca inseelischer Beziehung uns näher; er bietet oft direkteRede: Rede und Gegenrede wechseln und wirken aufdas Gemüt. Stärker noch betont Chaucer das Mensch-liche. Aber Erhart Groß ist doch der erste, der demStoff die warme Färbung gegeben, der das heikle Themavon der Seite erfaßt hat, die unserer Gefühlsanlage amehesten entspricht: es ist die volkstümliche. Der Mönchtritt aus sich heraus und findet für das rein Menschlicheden rechten Ton. Jeder kann ihn mitempfinden, weiler selbst von seinem Thema ergriffen ist. Es ist ihmgelungen, die seelischen Vorgänge in den handelndenPersonen glaubhaft darzustellen. Die Erzählung trägtganz den Stempel deutscher Art. Das Intime liegt ihm.Käte Laserstein hat manche Einzelheiten feinfühlig auf-gedeckt und zergliedert. Wie zartes Empfinden be-kundet z. B. die Schilderung echten Familienlebens imVerhältnis zwischen Vater und Tochter, die in demAlten ihren Mann, Vater und Versorger sieht, und wierührend klingen die Ermahnungen, die der Vater derTochter als letztes mit auf den Lebensweg gibt. Inniger

') Nur dieser und Grisardis tragen Namen, während derMarkgraf und der Vater sowie der Ort der Handlung un-bestimmt bleiben. Die Personen vertreten einen Typus. Unddoch wie plastisch treten uns die Gestalten entgegen I