XIV
mahnungen zunächst den Eheleuten gelten. Wie sein-er in klösterlichem Sinne denkt, zeigt des MarkgrafenAnrede an sein Volk als 'liebe Brüder', wie er sichauch selber als Bruder seinen Untertanen gegenüberbezeichnet. Dem Geistlichen liegen auch Betrachtungenallgemeiner Art nahe, wie sie der Predigerberuf mitsich bringt. So, wenn er sagt, daß wir oft über zweian sich gute Möglichkeiten Erwägungen anstellen undWege einschlagen, die uns gut dünken, dann aber er-kennen lassen, daß der Ausgang in den Tod führt,daß alle Folgerungen über die Zukunft unsicher bleiben.Auch der Ursprung des Bösen beschäftigt ihn. DasGute kann nicht aus dem Bösen hervorgehen, das Böseaber sei nur ein Abgleiten vom Guten, dem immer derSieg zufiele. Biblische Anspielungen und Vergleiche,die zahlreich zu Gebote stehn, sollen die Wirkung desErzählten erhöhen. Um des Markgrafen auf Täuschungund Unwahrheit beruhendes Vorgehen Grisardis gegen-über zu begründen, wird an Christus erinnert, der auchan lugen der Maria Magdalena in Gärtners Gestalt,zweien seiner Jünger in anderer Gestalt erschienen wäre,um seine Auferstehung zu erweisen. Man fühlt, daßder Erzähler des Markgrafen Vorgehen selbst als an-stößig empfand, denn als Grisardis sich der zweitenPrüfung unterziehen muß, hält er es für angezeigt,abermals eine freilich recht gewundene Erklärung zugeben unter Berufung auf Jes. 10, 5 und Prov. 14, 13und fügt dann noch hinzu: Christus, der doch nochschuldloser gewesen sei als seine 'aller unschuldigsteMutter und Meid', habe diese auch nicht am Tageseines heiligen Leidens geschont: mithin war auchGrisardis nicht zu schonen. Bei der Hochzeitsfeierfehlen nicht, von Braut und Bräutigam — den beidenJungfrauen! — geladen, Maria und Jesus, unter derenSchutz die Vermählung sich vollzieht. An anderer Stellewird Grisardis eine zweite Susanna, eine zweite Hestergenannt. Echt klösterlich mutet die Motivierung 39,14 ff.an: falls Grisardis mehr als drei Kinder gehabt habensollte, so habe er dies nicht erfahren, oder sie seien