656
EXTRACTUM C1NAE AETHEREUM.
II
beruht, nämlich die Chinabasen, nicht entzogen werden können, sondern dassda, wo dieser Zweck erreicht werden soll, dem Wasser etwas Säure zugesetztwerden müsse. Indessen kann wohl auch den übrigen Bestandteilen der Chi-narinden nicht alle Heilkraft abgesprochen werden, worüber nur ärztliche Er-fahrung entscheiden kann. Wenn nun gleich, dem Obigen zufolge, ein kaltbereiteter Chinaauszug und das daraus gewonnene Extract nicht sehr reich anden Salzen der Chinabasen, und hier aus der braunen Guanuco-China des Cin-chonins, sein kann, so ist dasselbe doch seit langer Zeit in den Heilapparat auf-genommen worden, wird indessen im Allgemeinen nur noch selten angewendet.Von jeher ist dasselbe in Form eines möglichst klaren dicklichen Syrups ver-langt worden, und man hielt das Präparat für um so vorzüglicher, je wenigergetrübt die wässrige Auflösung desselben war, so dass, um dieses zu erreichen,das Wiederauflösen, Filtriren und Abdampfen mehrmals wiederholt wurde. Esliegt indessen auf der Hand, dass dadurch die Wirksamkeit des Präparats be-einträchtigt werden musste. Durch die wiederholte längere Einwirkung desSauerstoffs der Luft in der Wärme wurde Chinagerbesäure in das unlösliche so-genannte Chinaroth umgebildet, welches bei seinem Ausscheiden aus der Auf-lösung stets einen Theil der Chinabasen mit sich niederschlägt, so dass der Ge-halt des Extracts an diesen heilkräftigen Bestandtheilen immer geringer wird.Sehr zweckmässig schreibt daher unsere Pharmakopoe vor, die kalt bereitetenAuszüge sogleich vor dem Eindampfen klar zu filtriren; in den nur durchgeseih-ten Auszügen sind nämlich Th eilchen von Chinarinde aufgeschwemmt, die, wennsie nicht durchs Filtrum entfernt worden sind, beim Abdampfen heiss extrahirtwerden, wodurch die Flüssigkeit getrübt wird und dann nur schwierig klar er-halten werden kann.
Das kalt bereitete Chinaextract hat einen bittersäuerlichen, wenig zusam-menziehenden Geschmack; es muss seiner Consistenz wegen in einem Stöpsel-glase aufbewahrt werden. Bei längerer Aufbewahrung scheiden in der Ruhemehr oder weniger gut ausgebildete Krystalle aus, welche chinasaurer Kalksind und zur Darstellung der Chinasäure benutzt werden können.
Extractum Cinae aethereum. Aetherisches Zittwersamenextract.
Nimm: Gepulverten Zittwersamen vier Unzen.Giesse auf
Aether zwölf Unzen.Macerire in einem verschlossenen Gefässe unter öfterem Umschüttelndrei Tage hindurch. Giesse die Flüssigkeit klar ab, presse den Rück-stand aus und wiederhole die Operation mit von Neuem aufgegossenen
Acht Unzen Aether.Die gemischten Flüssigkeiten werden nach dem Klarabgiessen filtrirt,durch Destillation des Aethers bis auf den vierten Theil vermindert undan einem massig warmen Orte bis zur Dicke eines Syrups abgedampft.Es werde in verschlossenen Gläsern aufbewahrt.
Es sei von dunkelgrüner Farbe, in Wasser nicht löslich.
In dieses Extract können natürlich nur die in Aether löslichen Bestandteiledes sogenannten Zittwersamens eingehen, zu denen Oel, Harz und Santoningehören, in welchen aber, zum grossen ,Theile wenigstens, die Heilkräfte be-