CORTEX SALICIS.
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Trockne abdampfte, einen mit nadeiförmigen KrystaUen vermengten Rückstanddar, von intensiv bitterm Geschmacke, in Wasser, Weingeist und Sauren auf-lösiich, der nicht auffallend alkalisch reagirte, den jedoch Büchner an diePflanzenbasen anreihen zu müssen glaubte und mit dem Namen Salici'n be-zeichnete. Unabhängig hiervon stellte Le Roux (Pharm. Centralbl. 1830. S. 251)krystallisirtes reines Salicin dar; sein Verfahren ist jedoch etwas complicirt undsteht demjenigen nach, welches spater Nees v. Esenbeck (Brand. Archiv XXXV.S. 134) angegeben hat. Man behandelt nämlich eine concentrirte Abkochungder Rinde von Salix alba oder S. vilellina L. mit nur so viel Kalkmilch, alsnöthig ist, um den Gerbestoff zu binden, verdunstet das colirte Decoct bis zurstarken Syrupsconsistenz und setzt dann starken Weingeist zu, wodurch dasbraune geschmacklose Gummi der Rinde niedergeschlagen wird. Die klaregelbe Flüssigkeit giebt durch Verdunsten und Abwaschen mit kaltem Wasserdas Salicin in kleinen KrystaUen von blendend weisser Farbe. Braconnot fandin vielen Weidenrinden kein Salicin, dagegen konnte es aus der Rinde mehre-rer Pappelarten dargestellt werden (Pharm. Ceutralbl. 1830. S. 313), und zwarwird hierzu das minder gefärbte Decoct von Populus alba mit Bloiessig gefällt,der BleiUberschuss aus der klaren und farblosen Flüssigkeit durch Schwefel-säure entfernt und die Flüssigkeit sofort bis zur Consistenz eines ganz klarenSyrups abgedampft, ein wenig Knochenkohle hineingerührt und die Flüssigkeitkochend flltrirt. Binnen wenigen Stunden gesteht sie zu einer einzigen kry-stallinischen Masse, die man stark in Leinwand ausdrückt, nochmals in kochen-dem Wasser auflöst und umkrystallisirt.
Das Salicin bildet kleine weisse, perlmutterglänzende Krystalle von höchstbitterm weidenrindenähnlichen Geschmacke. Es ist sehr löslich in Wasser undWeingeist, unlöslich in Aether. Es schmilzt einige Grade über dem Siedepunktedes Wassers und erstarrt beim Erkalten zu einer krystallinischen Masse. Hier-bei verliert es kein Wasser. Es ist keine Pflanzenbase. Salzsäure, Salpeter-säure und verdünnte Schwefelsäure losen es in der Kälte auf, ohne es zu ver-ändern, so dass es nach Wegnahme der Säuren durch ein Alkali wieder krystalii-sirt erhalten werden kann; von concentrirter Schwefelsäure wird es schön rothgefärbt, und dieses Verhalten giebt ein bequemes Mittel ab, die verschiedenenWeidenrinden auf ihren Salicingehalt zu prüfen, so dass sich aus der mehroder weniger intensiv orangerothen bis purpurrothen Färbung, welche dieentblösste frische und mit einem Tropfen Schwefelsäure benetzte Rinde annimmt,auf die relative Menge des darin enthaltenen Salicins schliessen lässt. In derWärme wirken auch die andern Säuren zersetzend ein. Von ätzenden Alkalienwird es selbst in der Hitze ohne Zersetzung aufgelöst.
Das Salicin ist Gegenstand vielfältiger chemischer Untersuchungen gewesen.Es gehört zu denjenigen Körpern, welche Berzelius Paarlinge nennt und diebesonders in der organischen Chemie vorkommen, und welche häufig, abernicht immer, die Rolle einer Säure oder einer Basis spielen. Die elementareZusammensetzung des Salicins ist nämlich C 26 H 18 0 14 , wonach es in 100 Theilenbesteht aus 54,53 Kohlenstoff, 6,29 Wasserstoff und 39,16 Sauerstoff. Es lässtsich aber betrachten als eine Verbindung von Salingenin, C I4 H 8 0 4 , undZucker C 12 H ,0 O 10 . Wird nämlich Salicin mit Synaptas oder auch mit einerEmulsion von süssen Mandeln bei einer Temperatur von 40° C. behandelt, sozerfallt es in Zucker und eine in perlmutterglänzenden rhombischen Tafeln kry-slallisirende Substanz, die Piria Salingenin genannt hat. (Annal. d. Chem. u.Pbarm. 1845. LVI. 33.)
Die Weidenrinde lässt sich nur schwierig pulvern; das Pulver ist lockerund leicht. Zweckmässiger wird sie in der Abkochung oder im Extracte ver-
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