Druckschrift 
1 (1847)
Entstehung
Seite
597
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

v'

CORTEX RADICIS GRANATI.

597

sein. Sie enthalten mehr bitteres als zusammenziehendes Princip, wirken aus-serdem noch durch das in ihnen entwickelte empyreumatische Ocl und gebenunter dem Namen Eichelkaffee ein mit Recht geschätztes Haus- und Arz-neimittel.

Von den Eicheln hat Löwig (Buchn. Repert. XXVIII. 1828. S. 169) eine Un-tersuchung geliefert, wozu die Eicheln im Wasserbade 24 Stunden ausgetrock-net wurden, worauf sie ein Pulver von schwachgelber Farbe gaben, welcheseinen schleimigen, schwach bittern, zusammenziehenden Geschmack hatte. In1000 Th. wurden gefunden: fettes Oel 0,043, Harz 0,052, Gummi 0,064, eisen-blauender Gerbestoff 0,090, bitterer Extractivstoff 0,052, Stärkemehl 0,380, Holz-faser 0,319, Spuren von Kali-, Kalk- und Alaunerdesalzen 0. S. = 1000. Die,Eicheln gehören demnach zu den wirksamen tonischen Mitteln, in welchen derschädliche Eindruck des Gerbestoffs, wodurch häufig bei fortgesetztem GebraucheMagendrücken und Erbrechen erfolgt, durch die Verbindung mit dem bitternExtractivstoffe, wenn auch nicht ganz aufgehoben, doch grösstentheils gemin-dert und durch die Verbindung mit dem Stärkemehle die chemische Wirkungdesselben auf thierische Materie geschwächt ist. Will man also die tonischeWirkung des Gerbestoffs mit der nährenden Kraft des Stärkemehls vereint an-gewendet wissen, so muss die Röstung, wodurch ein grosser Theil des Stärke-mehls in Gummi verwandelt wird, so schwach wie nur immer möglich sein.

Bennebscheid (Brand. Arch. XXXVI. S. 253) hat durch Destillation aus denEicheln ein stark riechendes Oel erhalten, welches leichter als Wasser war undaus zwei verschiedenen flüchtigen Oelen zusammengesetzt zu sein schien, wo-von das eine in Aether, das andere in Alkohol von 80 Proc. löslich war.

Auch die Eichenblätter {Folia Quercus) wurden sonst wohl als adstringiren-des Mittel gebraucht.

Die Eiche wurde wegen ihrer grossen Nutzbarkeit von den alten Preussenheilig verehrt. So stand eine Eiche da, wo jetzt die Stadt Heiligenbeil steht,unter welcher dem Curch'o oder Gorcho, der für den Gott der Speisen und Ge-danke galt, geopfert wurde. Unter einer andern Eiche, die 6 Ellen im Durch-schnitte gehabt haben soll, wurde der Donnergott Perkunos, der Ernte- undRegengott Potrimpus und der Todtengott Pykullus verehrt.

Cortex Radicis Granati. Granatwurzelrinde.(Punica Granatum L. Myrtaceae.)

Stücke von verschiedener Grosse. Kaum über eine Linie dick, dieäussere Binde gelblich - braun, runzlich, sehr dünn, die mittlere gelblich,von ebenem Bruche, die innere etwas faserig, gelblich - hellbraun, sehrdünn, mit oft anhängendem faserigen gelben Holze, von zusammenziehen-dem Geschmacke. Ein im südlichen Europa und nördlichen Afrika wildwachsender, oft auch angebauter Strauch oder Baum.

Punica Granatum Linn. Gemeine Granate.

Abbild. Plenck 376. Hayne X. 35. PI. med. 301. G. u. v. Sciil. 89

Syst. sexual. Cl. XII. Ord. 1. Icosandria Monogynia.

Ord. natural. Myrtaceae.

Der gemeine Granatbaum, welcher wild auch strauchartig, cultivirt abermehr baumartig wächst und eine Höhe von 16—18 Fuss erreicht, ist in denwärmeren Gegenden in Asien, Afrika und auf den Antillen zu Hause. Er soll

II

«•']