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2 (1890)
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Theod. de Saussure.

Die Pflanzen, welche von Natur auf dürrem Felsen oder aufreinem Sande wachsen, finden in den Ueberrcsten von Gewächsenund Thieren, [244] die in unserer Luft schweben, Nahrungsstoft'e,welche die gasförmigen Bestandtheile der Luft nicht zu liefernim Stande sind. Diese Körperchen lassen sich auf den Blätternnieder, lösen sich in dem Wasser, welches diese verdichten, unddringen in ihr Inneres ein. Das von den Wurzeln aufgenommeneKegenwasser ist mit denselben Stoffen beladen.

Die Gewächse, welche sich vollständig entfalten können,indem sie auf diese Weise aus unserer Atmosphäre ihren ganzenUnterhalt schöpfen, sind nicht sehr zahlreich. Eine so wenigreichliche Nahrung kann nur denjenigen genügen, welche einean ihren Standort angepasste Organisation haben, nur denjenigen,die ausdauernd sind, und deren sehr langsame Entwickelungder geringen Menge assimilirter Nahrungsstoffo entspricht.Die meisten unter ihnen wie die Moose, die Farnkräuter, diefleischigen Pflanzen, die Fichten sind immergrün; ihre Blätterzersetzen während des ganzen Jahres kohlensaures Gas; sie bietenden in unserer Atmosphäre herumschwimmenden Körperchen be-ständig Anhaltepunkte dar; sie transpiriren wenig; sie sindlederartig oder fleischig, und bei solcher Beschaffenheit verlierensie unter der Einwirkung des Sauerstoffgases der umgebendenLuft nur eine geringe Menge Kohlenstoff. Aber man findet fastniemals auf einem humusfreien Boden einjährige Pflanzen, [245 jihr Wachsthum oder ihre Entwicklung dürfte zu schnell sein,als dass sie in unserer Atmosphäre die grosse Menge Nahrungs-stoffe, welche sie verbrauchen, finden könnten.

Sie vergehen, sobald sie die in ihren Samen enthaltene Nah-rung aufgesogen haben. Ich versuchte, Samen von Saubohne,Bohne, Erbse und Kresse zur Entwickelung zu bringen, indemich ihnen als Unterlage reinen Sand oder Pferdehaare in Trich-tern darbot, welche das überschüssige destillirte Wasser, mitdem ich sie benetzte, ablaufen Hessen. Sie blühten sehr oft,doch konnten ihre Samen niemals reifen. Dessen ungeachtetvariirte ich diese Versuche mit aller möglichen Sorgfalt fünf aufeinander folgende Jahre hindurch. Giobert, Ilassenfratz undandere Naturforscher sind bei diesen Untersuchungen meineVorgänger gewesen, ohne günstigere Ergebnisse erhalten zuhaben.

Diejenigen, welche glauben, dass die atmosphärische Luftund das Wasser die einzigen Bestandtheile und Nahrungsstoffeder Gewächse sind, werfen dagegen ein, dass der Sand, das Haar