Druckschrift 
2 (1890)
Seite
37
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Chemische Untersuchungen über die Vegetation.

37

denen nur 217 Milligramm (4,2 Gran) dem sauren Gase zuge-schrieben werden können. [227] Das Immergrün hat demnachbei diesem Versuch 315 Milligramm (5,8 Gran) Wasser gebundenoder in feste Substanz verwandelt.

Zwei Pflanzen von Mentha aquatica, Kap. II, § 4, Exper. II,zersetzten 309 Cubikcentimeter (15,6 Cubikzoll) kohlensauresGas, welche nach Lavoisier 159 Milligramm (3 Gran) Kohlen-stoff enthalten. Vor dem Versuch lieferten sie 1,698 Grammoder 32 Gran, nach dem Versuch 2,016 Gramm oder 38 GranTrockensubstanz; demnach vergrösserton sie ihre Trocken-substanz um 31S Milligramm oder 6 Gran, von denen 159 Milli-gramm (3 Gran) der Bindung von Wasser zugeschrieben werdenmüssen.

Solche Ergebnisse setzen Bedingungen voraus, welche sichnur selten zusammenfinden; die Pflanze muss in allen ihren Thei-len gesund bleiben; wenn nur ein einziges Blatt unter dem Reei-pienten welkt, oder wenn die Wurzeln Schaden leiden, zeigt sichim trocknen Zustande das Gewicht der Pflanze oft vermindert,obgleich sie eine grosse Menge kohlensaures Gas zerlegt.

[228] § 3.

Von der Zerlegung des Wassers durch die Gewächse.

Da die Pflanzen sich den Sauerstoff und Wasserstoff desWassers aneignen, so kann man vermuthon. dass sie unter be-stimmten Umständen den Sauerstoff, welcher einen Bestandteildieser Flüssigkeit ausmacht, aushauchen müssen. Die über ein-ander gehäuften todten Gewächse, welche ohne Berührung mitLuft gähren, bilden kohlensaures Gas ausschliesslich aus ihrereigenen Substanz. Bei diesem Vorgange verbindet sich, unter-stützt von der bei der Gährung entstehenden Wärme, der Sauer-stoff des während des Vegetationsprocesses gebundenen oder infeste Substanz übergeführten Wassers mit dem Kohlenstoff, umsaures Gas zu bilden, und die vegetirenden Pflanzen scheiden,indem sie dasselbe zersetzen, den Sauerstoff aus, welcher ur-sprünglich dem Wasser angehört hatte. Doch scheinen sie inkeinem Falle dasselbe direct zu zersetzen, indem sie sich seinenWasserstoff aneignen und unmittelbar seinen anderen Bestand-teil in der Form von Sauerstoff entbinden.

Die grünen Pflanzen, welche Tag und Nacht in Stickgas ve-getirten, verbreiten dort das Mehrfache ihres Volumens an Sauer-stoffgas, 229] weil sie, da sie in den ersten Stadion dieser Vege-