Druckschrift 
Pflanzenmikrochemie : ein Hilfsbuch beim mikrochemischen Studium pflanzlicher Objekte ; mit 137 Abb.
Entstehung
Seite
3
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Das Untersuchungsmaterial. 3

Da viele Enzyme durch kalten Alkohol, wie er zum Einlegen benutztwird, nicht abgetötet werden, so finden im Alkoholmaterial vielfachSpaltungen statt. Anderseits gelangen wasserlösliche Körper (Inulin,Phosphate und andere anorganische Salze) zur Abscheidung. Chlorophyll-farbstoff und andere Farbstoffe werden ausgezogen, die Pflanzen werdenmehr oder weniger gebleicht, zuweilen aber auch gebräunt und ge-schwärzt. Letztere Färbung erscheint selbst beim Einlegen in völligabsoluten Alkohol. In diesen Fällen ist der Alkohol ebenfalls zu lang-sam eingedrungen und hat die Farbstoff abspaltenden Enzyme nichtsofort abgetötet (Nekrobiose)*). Ein Eintragen der Pflanzen, sofortnach dem Abpflücken, auf 10 bis 20 Minuten in siedendes Wasser oderauf einige Minuten in siedenden Alkohol bringt Abhilfe. Darauf werdendie Pflanzen in gewöhnlichen Spiritus gebracht. Eine stärkere Nach-farbung ist nicht mehr zu befürchten. DieseKochmethode" ist vonHeinricher 2 ) bei chlorophyllfreien phanerogamen Parasiten undSaprophyten benutzt worden. Gerbstoffhaltige Zellen fallen in Al-koholmaterial gewöhnlich durch ihre Färbung sofort auf. Ziemlichweitgehend sind die Veränderungen, welche die Schleimmembranen,die resinogene Schicht, die Aleuronkörner u. a. in Alkohol erfahren.

Sublimat- oder Phenolalkohol leistet im allgemeinen keine besserenDienste als Alkohol allein.

Recht empfehlenswert ist Alkoholdampf. Auf den Boden einesluftdicht schließenden Gefäßes kommt etwas absoluter Alkohol oderein mit Alkohol getränkter Wattebausch. Das Material wird an einemruh at ü DeCkd "gehängt, ohne daß es mit dem Alkohol in Be-urung kommt. Alkoholmaterial wird leicht brüchig; es wird durchschiidbar 6S deln mit Glyzerinwasser wieder geschmeidig und

Formaldehyd (Formol)«) gebraucht man, wenn man die Schrump-fungen und Entfärbungen umgehen will, die da« Material in Alkoholerleidet. 40% Formaldehyd (die Handelsware) wird mit dem 2-3-tachen Volumen destillierten Wassers verdünnt. Die Flüssigkeit brauchtnur den unteren Teil des Gefäßes zu erfüllen. Die Gefäße müssenluftdicht verschlossen sein. Stärkere Lösungen härten und sollen

') Bei Nekrobiose stirbt das Protoplasma ab, die Enzyme bleiben erbaltenund in Tätigkeit (Beijerinck).

) K Heinricher, Über das Konservieren von chlorophyllfreien, phanero-gamen Parasiten und Saprophyten, Ztschr. f. wiss. Mikr., 1892, IX, S. 321.

) Formaldehyd wurde zur Härtung und Konservierung tierischer Gewebevon F. Blum empfohlen: Das Formaldehyd als Härtungsmittel, Ztschr. f. wiss.Mikr., 1893, X, S. 314 und: Notiz über die Anwendung des Formaldehyds alsHartwigs- und Konservierungsmittel, Anatom. Anzeiger, 1893, IX.

1*